Meilenstein

Während eine der Machenschaften von Bernd Krömer aus seiner Zeit als Baustadtrat in unserem schönen Bezirk kurz vor der Sommerpause berechtigt für viel Wirbel sorgt, sollte sein Meisterstück nicht ganz in Vergessenheit geraten. Denn auch hier hat sich aktuell etwas getan: Laut Bezirksamt und Stadtrat Krüger gibt es jetzt eine Fördermittelzusage des Senats für den Bau der Planstraße bis 2016 auf das „Euref-Gelände“ in Höhe von 5.526.720 Euro. Sie ermöglicht den Zugriff auf Wirtschaftsförderung des Bundes und macht zugleich den Bezirk zum Bauherren der Straße. So wollte es Bernd Krömer, als er in seinen letzten Amtstagen einen Nachtrag zum Städtebaulichen Vertrag mit Reinhard Müller (Euref AG) unterzeichnete. Damit spart Letzterer Millionen und hält außerdem sein Versprechen nicht ein, die neue Erschließung seines Grundstücks ausschließlich selber zu bezahlen. Das wäre recht und billig gewesen angesichts des mehr als großzügigen Baurechts, das er bekommen hat. Weiterlesen

40 Prozent Blödsinn und schlecht erschlossen

Momentan entwickelt sich das Euref-Gelände am Gasometer zu einer schlecht erschlossenen Sackgasse. Durch die großen Baustellen für die Umgestaltung der Grünstreifen entlang der Bahn ist die ohnehin wenig verkehrsgünstige, schmale und steile Torgauer Straße unzugänglicher als je zuvor. Und ob es die für eine noch dichtere Bebauung und das Inkrafttreten des Bebauungsplan 7-29 notwendige Erschließungsstraße je geben wird, ist weiterhin fraglich. Denn hinter den Kulissen wird um die Kosten gefeilscht. Und wie aus Kreisen der Bezirksverordneten zu hören ist, glauben dort viele den 40 Prozent Blödsinn.

Zur Erinnerung noch einmal kurz der Vorlauf: In einer handstreichartigen Aktion, wie sie sonst wohl nur in Bananenrepubliken üblich sein dürfte, hatten der nach den Berliner Neuwahlen kurz vor seiner Abberufung stehende ehemalige Baustadtrat Bernd Krömer Weiterlesen

Petition für Gaslaternen

Typische Gaslaterne (Bild:Gaslicht-Kultur)

Typische Gaslaterne (Bild:Gaslicht-Kultur)

Die Torgauer Straße ist nicht nur geheimnisvoll, sondern auch einer der letzten Orte Berlins, wo die typischen Berliner Gaslichtlaternen in verschiedenen Typen zu sehen sind. Romantisch und geheimnisvoll wie im berühmten Film “Gaslight” vor allem bei diesigem Wetter und bei Nebel.

Aber die Berliner Gaslaternen sollen aussterben, auch hier zählen Kosten und Einsparungsgesichtspunkte mehr als Denkmalschutz. Der Verein “Gaslicht-Kultur” hat eine Online-Petition gestartet, die sich für den Erhalt der Gaslaternen einsetzt. Zwar funktioniert die Ausweis-App auf der Webseite der Petition nicht, man kann aber auch so den Erhalt der Gaslaternen unterstützten..

Torgauer IV: Widerstand im Geheimen

Grünflächenplanung Torgauer Straße

Grünflächenplanung Torgauer Straße

Die Grünflächen entlang der Torgauer Straße gehören zu den kostspieligsten Einzelprojekten innerhalb des Stadtumbau-Programms am Südkreuz. Das liegt vor allem an den Ankaufspreisen für die Flächen und den Kosten der Altlastensanierung.

Das Cherusker-Dreieck (Torgauer Straße 11a) wurde von der Bahn-Tochter Vivico für 320.000 Euro erworben. Hinzu kommen Kosten für die Beseitigung von Altlasten in Höhe von ca. 230.000 Euro. Das macht nur für diese Fläche schon mal 550.000 Euro. Nicht anders verhält es sich mit den bisher von Kleingewerbe genutzten  Flächen südlich der Torgauer Straße an der Ringbahn (Torgauer Straße 17-32), die bereits 2007 zunächst von der Vivico an Private veräußert wurden. Hier musste der Bezirk aus Stadtumbaumitteln 2009 1.410.000 Euro hinlegen, und auch hier gibt es noch Altlasten abzutragen.1 Es wird mit ca. 214.000 Euro für die Bodensanierung gerechnet. Ein Teil der für das Projekt insgesamt vorgesehenen 3,1 Millionen Euro (ohne Grunderwerb) sind also bereits ausgegeben oder verplant. Honorare und der Rückbau der vorhandenen Bebauung sind ebenfalls noch vor dem eigentlichen Bau der neuen Grünflächen zu berücksichtigen.

Wie kam es dazu, dass der Bezirk sich die Grundstücke nicht schon vor längerer Zeit gesichert hat und letztlich den aktuellen Verkehrswert für Gewerbeflächen bezahlen musste? Weiterlesen

  1. Über das Grundstück Torgauer Straße 17 soll u.a. die neue Planstraße zur Erschließung des Kerngebiets (Euref) auf dem Gaswerksgelände verlaufen. Reinhard Müller hat im Übrigen für den größten Teil des vormaligen GASAG-Geländes nur 1 Mio Euro gezahlt. []

Fahrradwege prallen auf Tulpenschilder

Eingang Cheruskerpark mit "Tulpe"

Einen seltsamen Verlauf nahm die Veranstaltung des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg mit dem Thema „Bürgerinformation Grünzug Südkreuz und Querung Wannseebahngraben“ am 19.04.2012. Einfache Hinweise der etwa 100 anwesenden AnwohnerInnen auf Planungslücken des Bezirksamts sorgten für fachliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Bezirksamts und zeigten vielfach bessere Detaillösungen auf.

Nachbesserung versprachen die MitarbeiterInnen des Bezirksamts beim Fahrradverkehr über den als „Saager-Steig“ bekannten Weg von der Roten Insel Richtung Ebersstraße und bei den Details der Parkgestaltung. Und das Cheruskerdreieck bekommt vielleicht sogar eine Rodelbahn. Nur an Julius Leber will niemand so richtig erinnert werden.

Die Einladung zur Veranstaltung war in 8000 Exemplaren gedruckt worden. Eine solche Menge reicht nach unseren eigenen Erfahrungen, um jeden Haushalt auf der Roten Insel und in der Ebersstraße mit je einem Flyer zu versorgen. Allerdings waren die Verteiler des Bezirksamts scheinbar nicht über die Leuthener Straße hinaus gekommen. Weite Teile unserer Nachbarschaft, die von zuständigen Fachbeamtin Frau Hoffmann als „Gebietskulisse“ bezeichnet wurde, hatten jedenfalls keine Einladung erhalten.

Trotzdem waren etwa 100 AnwohnerInnen erschienen. Sie bekamen einen Abriss der Planung des Grünzuges entlang der Torgauer Straße und im südlichen Teil des Cheruskerparks (das so genannte „Cheruskerdreieck“). Hier soll vor allem der etwa 20 Weiterlesen

Torgauer III: Geheimnisse eines Dreiecks

Graffiti einer Autowerkstatt an der Torgauer Straße

Graffiti einer Autowerkstatt an der Torgauer Straße

Großspurige Straßenplanungen sind nicht nur aktuell ein Thema für die Torgauer Straße, sondern auch Teil ihrer Geschichte. Eine Querung der Ringbahn im westlichen Bereich, wie sie derzeit zur Neuerschließung des alten Gaswerks Schöneberg für „Euref“ geplant ist, war schon einmal im Gespräch. Die Rede ist natürlich von der seit 1965 projektierten Westtangente. Kreativ und erfolgreich zog eine der ersten Bürgerinitiativen der Stadt seit 1974 gegen die Autobahnpläne ins Feld.

Wegen des Protests der BI Westtangente kamen die Befürworter der autogerechten Stadt mit ihrer Autobahn nicht weiter als bis zum Kreuz Schöneberg am Sachsendamm. Sinnfällig zeigt der Blick auf den heutigen Stadtplan, was dadurch verhindert worden ist. Den frühen Planungen zufolge wäre die Autobahn nach Norden entlang des Cheruskerparks in den Bahngraben der S1 verlaufen. Sowohl Teile der Bebauung der Cheruskerstraße als auch die meisten historischen Bauten des alten Gaswerks Schöneberg wären der Betontrasse geopfert worden. Die Rote Insel, aber vor allem die Torgauer Straße hätten ihr Gesicht grundlegend geändert. Weiterlesen

Torgauer II: Geheimnisvolle Straßenplanung

Altes Gaswerk und Umfeld

Altes Gaswerk und Umfeld (B-Plan 7-29)

Im Teil I zur Torgauer Straße begann der Weg im Westen am Sachsendamm. Über das alte mehr als hundertjährige historische Pflaster ging es die Steigung hinauf bis zum alten Gaswerksgelände. Wie geht es hier im Westen der Torgauer weiter? Zum einen will der Bezirk Steuergelder in eine völlig überflüssige Grünfläche nördlich der Ringbahn und westlich einer neuen Planstraße an einer Bahnböschung ausgeben. Gleichzeitig steht fest, dass zur Erschließung des Bürostandorts „EUREF“ auf dem alten GASAG-Gelände diese neue Straße (Planstraße) kommen muss. Das legt der Bebauungsplan 7-29 fest, der für den Projektentwickler Reinhard Müller aufgestellt wurde. Der entsprechende städtebauliche Vertrag zwischen Bezirk und Müller aus dem Jahr 2009 ist jedoch in Bezug auf die Planstraße recht ungenau. Eindeutig ist dort aber trotzdem festgehalten:

„Auf der Grundlage des … beigefügten Vorentwurfs übernimmt der Vorhabenträger die Planung und Herstellung der noch abschließend abzustimmenden und im Erschließungsvertrag verbindlich festzulegenden Erschließungsanlagen für das Bebauungsplangebiet im eigenen Namen und für eigene Rechnung.“

Es wurde geregelt, dass die Kosten allein durch den Projektentwickler getragen werden sollten und die Straße nach Fertigstellung in den Besitz des Landes Berlin übergeht, das fortan den Unterhalt finanziert.1

Zu Beginn des Jahres wurde in den Ausschüssen für Tiefbau (23.1.12) und Stadtentwicklung (8.2.12) kurz von neuen Fakten berichtet. Auf dieser Website wurde nach Recherchen der BI erstmals ausführlicher dargestellt, was sich in den letzten Monaten hinter verschlossenen Türen getan hat. Weiterlesen

  1. Die Planstraße wird auf öffentlichem Land gebaut. Das Land Berlin hat hierzu auch neue Flächen angekauft. Eine 115 qm große Fläche direkt an der Einfahrt auf das Gelände (Bezirksbesitz) wird gegen 341 Straßenland (im Besitz einer Firma von Reinhard Müller) getauscht. []

Torgauer I: Geheime Geschenke

Torgauer Straße

Torgauer Straße

Auf den ersten Blick gibt es kaum eine unattraktivere Straße in Schöneberg. Wenn man zwischen den Eisenbahnbrücken am S-Bahnhof Schöneberg in die alte mit Kopfstein gepflasterte enge Straße abbiegt, die zwischen hohen Mauern eingezwängt ist, verlässt man den Sachsendamm und befindet sich in der Torgauer Straße. Alles andere als einladend, führt sie bergan und bietet neben holprigem Pflaster den vermutlich engsten Bürgersteig Schönebergs.

Ein großes Immobilienschild am Sachsendamm verkündet die Heilsbotschaft eines Immobilienprojekts, wenn man sich durch die Gasse hindurch wagt: Das „Europäische Energieforum“ wirbt um Partner.

Werbeschild am Sachsendamm

Werbeschild am Sachsendamm

Oben angekommen sieht man zunächst nichts von den Phantasien des Projektentwicklers Reinhard Müller. Eine Einfahrt führt auf das Gelände Torgauer Straße 12-15, auf dem als erstes die schon lange ansässige Firma Begatec zu sehen ist. Ein Backsteingebäude an der Straße in gotischem Stil verrät jedoch, wer hier einst residierte, nämlich die erste Gasanstalt südlich von Berlin, die sich an der Berlin-Potsdamer-Eisenbahnstrecke 1871 niederließ. Das Reglerhaus diente der Einspeisung des Gases in das öffentliche Netz. Weiterlesen