Von wegen „Landmark“, von wegen massiv!

Der Gasometer 1964 auf einem historischen Pressefoto

Der Projektentwickler Müller und seine Texter erfinden ja gern die Wirklichkeit neu, wie wir spätestens seit dem Preisrätsel der BI Gasometer wissen, wo wir in der inhaltlich richtigen Zusammenfassung einer halbstündigen Präsentation Müllers zum Projekt Gasometer mehr als 10 Tatsachenverdrehungen, dreiste Lügen und Halbwahrheiten fanden.

Eine davon war, der Gasometer werde mehr als 65 Meter hoch „transparent“ ausgebaut. Was ebenso Unfug sein dürfte wie die schlanke Behauptung, der solchermaßen ausgebaute Gasometer würde ein „Landmark“ darstellen. Erstens ist ein mit Beton und Glas ausgebauter Gasometer kein „Landmark“ mehr, sondern ein völlig beliebiges, etwas unförmiges Gebäude. Zweitens zeigt das historische Foto von Bauarbeiten am Autobahnkreuz Sachsendamm, dass der Gasometer im Regelbetrieb von weitem kaum über die Baumwipfel hinaus gefüllt war, also bis zum 3. oder 4. Ring; der dritte Ring markiert etwa die Höhe normaler Berliner Altbauten. Drittens zeigt das Foto sehr deutlich, dass mit Hilfe der vom Projektentwickler entworfenen Hochhäuser am Rande des Geländes (Höhe von 65 – 70 Meter) der Gasometer aus der Ferne überhaupt nicht mehr sichtbar wäre. Von Süden verdeckt nach dem städtebaulichen Entwurf des PE ein Hotelneubau mit ca. 70 Metern Höhe die Sicht. Von Westen schirmt ein über 60 Meter hoher Hochhausriegel a‘ la Sozialpalast die Sicht ab und zu sehen ist vom „Landmark“ dann überhaupt nichts mehr. Das hat unsere Grafikabteilung aus der Cheruskerstraße bereits recht eindrucksvoll dargestellt.

Über den Autor

azche24
Ich wohne mit meiner Familie direkt vor dem Gasometer auf der roten Insel in Schöneberg. Und mag dieses Industriedenkmal und Wahrzeichen seit Jahren.

1 Kommentar zu "Von wegen „Landmark“, von wegen massiv!"

  1. Anikke | 30.04.08 um 12:08 |

    Das Argument, der Gasometer sei früher in gefülltem Zustand auch nicht transparent gewesen hinkt sowieso (egal wie hoch die Füllung ging). Unter Denkmalschutz steht er nämlich erst seit 1994 und da war er schon nicht mehr in Betrieb. Das ist für mich eher noch ein weiteres Argument dafür, dass er in seiner derzeitigen Form *ungefüllt* erhalten werden muss!

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