Nützliche Aktivitäten im Bereich „Schöneberger Linse“

Wie zuletzt die Morgenpost meldet, kommt die dringend notwendige Entwicklung des Gebiets zwischen Bahnhof Südkreuz und S-Bahnhof Schönebert („Schöneberger Linse“) ins Rollen. Eine Interessengemeinschaft der Grundstückseigentümer (unter anderem Bahn, Vattenfall, BSR) will sich jetzt offenbar daran machen, die zur Zeit mit wenig attraktiven Nutzungen (ein Recyclinghof direkt gegenüber von einem überregionalen Bahnhof – ist das sinnvoll?) belegten Grundstücke einer attraktiveren Bebauung zuzuführen.

Ähnliches hatte ich vor einiger Zeit bereits im Gasometertraum angedacht. Vielleicht greift die „IG Schöneberger Linse“ ja auch die Anregung auf, eine Art gemeinsames Brainstorming zum Thema zu veranstalten. Eine Veranstaltung dieser Art könnte und würde die BI Gasometer sicherlich gern organisieren.

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azche24
Ich wohne mit meiner Familie direkt vor dem Gasometer auf der roten Insel in Schöneberg. Und mag dieses Industriedenkmal und Wahrzeichen seit Jahren.

7 Kommentare zu "Nützliche Aktivitäten im Bereich „Schöneberger Linse“"

  1. Holger | 23.06.08 um 11:16 |

    Und wieder… Als ich im Tagesspiegel von den Plänen für die Schöneberger Linse gelesen hab, ging mir anderes als azche24 durch den Kopf. Für wen wird die Bahn, Vattenfall und Co dort investieren? Was sagen eigentlich die Leute dazu, die in der Linse wohnen? Und überhaupt, wie wird auch dieses Projekt den Kiez verändern? Versteht mich nicht falsch, nicht jede Aufwertung ist abzulehnen. Aber unreflektierte Bejahung wie hier beschrieben ist auch nicht die Antwort. Erst mal genau gucken, was da passiert. Ich habe immer noch ein Gespräch mit einem Gasometer-Befürworter im Kopf. Ja, meinte der, die Gasometerbebauung bringe doch Arbeitsplätze und das sei gut für die Menschen. Naja, war meine Antwort, ich glaube aber nicht, dass diese Arbeitsplätze den Menschen zugute kommen, die heute schon hier wohnen und Arbeit brauchen. Das sei ja klar, war dann die Antwort, die müssten dann schon wegziehen und Platz machen für die Neuen… Und genau das ist mein Kriterium für die Bewertung von Aufwertung. Nützt es zumindest mehrheitlich den Menschen vor Ort, oder nützt es den ohnehin schon besser gestellten nur noch mehr?

    Furchtbar fände ich es auch, wenn die BI Gasometer jetzt versuchen würde, den gegenwärtigen Investitionswahn in Schöneberg einfach nur in andere Gebiete umzuleiten, um die eigenen vier Wände vor der Verschattung zu retten. Immer noch fehlt der BI der Ansatz, das ganze mal eine Ebene höher zu betrachten. Das wird angesichts immer neuer Investitionsprojekte rund um die Insel aber dringend nötig. Vielleicht braucht es doch die Gründung einer zusätzlichen Initiative gegen die kommerzorientierte Aufwertung des Schöneberger Ostens zu Lasten der dort lebenden Menschen. Interessierte Leserinnen und Leser: Achtet auf Ankündigungen

  2. Für wen wird die Bahn, Vattenfall und Co dort investieren?

    Die genannten werden nicht investieren, sondern verkaufen bzw. sich dafür einsetzen, dass attraktiver Nutzungen als Autohöker, Müllverladung oder Brachfläche stattfinden.

    Was sagen eigentlich die Leute dazu, die in der Linse wohnen?

    Frag sie! Wie viele Leute wohnen eigentlich in den zwei Blöcken, 100 oder 200?

    Ja, meinte der, die Gasometerbebauung bringe doch Arbeitsplätze und das sei gut für die Menschen.

    Das Argument mit den Arbeitsplätzen hatten wir für den Gasometer schon beratschlagt: Es entstehen keine neuen Arbeitsplätze, sondern Arbeitsplätze werden verlagert.

    Und genau das ist mein Kriterium für die Bewertung von Aufwertung. Nützt es zumindest mehrheitlich den Menschen vor Ort, oder nützt es den ohnehin schon besser gestellten nur noch mehr?

    Das ist eine sehr spezielle Diskussion, zu der es auch in der BI Gasometer verschiedene Meinungen gibt. Ich kann nur meine persönliche Meinung und berufliche Erfahrung mit „künstlich“ gesteuerten Milieus (Sanierungsgebiete, Milieuschutz) wiedergeben: Das funktioniert nie!

    Zudem begreife ich den Zusammenhang auch nicht so direkt:

    Sollen nachindustrielle Nutzungen (Schrotthandel, Baustoffhandel, Autohöker) der hässlichen Art erhalten bleiben, um einen bestimmten Kiez zu konservieren? Das kann man sicherlich diskutieren – ich persönlich finde allerdings einen solchen Standpunkt problematisch.

    Immer noch fehlt der BI der Ansatz, das ganze mal eine Ebene höher zu betrachten.

    Hmmm. Bis jetzt fand ich ebenso wie einige andere diesen kleinteiligen Ansatz recht gelungen. Weil der sich weitgehend ideologiefrei mit Sachfragen und konkreten Anliegen (Erhaltung eines Parks, Erhaltung von Lebensqualität, Verhinderung zweckfreier Betonbunker, Widerstand gegen politischen Filz) befasst.

    Versprochen: Ich werde in mich gehen 😉

  3. Christian Breßler | 24.06.08 um 17:08 |

    Hier tut in jedem Fall Differenzierung not:

    Auf der einen Seite:
    Veränderungen in der Stadt wird es immer geben und wer möchte schon in einer Großstadt wohnen, die sich gar nicht verändert?

    Andererseits:
    Anwohner sehen die aktuellen Planungen aus der Perspektive ihrer Lebenswelten. Für sie spielen Lebensalltag, Atmosphäre und Ängste eine Rolle nicht der gesamtstädtische Zusammenhang.

    Beide Seiten (plus die möglicherweise nicht ganz so neutralen bezirklichen Planer) spitzen das momentan halt zu in Richtung von postmoderne Office-Welten gegen Kiez. Mal sehen, ob da ein Interessenausgleich überhaupt möglich ist.

  4. Alexa Kaufhof | 24.06.08 um 19:08 |

    Den Ausführungen von Holger muß ich mich weitgehend anschließen. Was auf der Linse geplant ist, ist im Prinzip nichts anderes als das, was Müller auf dem Gasag-Gelände plant. Wer da von „Aufwertung“ schwärmt, der sollte erstmal seine Wertmaßstäbe benennen.

    Auch der Auffassung, daß es nicht nur um den Blick aus dem eigenen Fenster gehen kann, stimme ich zu.

    Zu den „Nutzungen der hässlichen Art“: als Nicht-Autofahrer bin ich der Letzte, der Gebrauchtwagenhändler braucht. Ich meine aber, daß auch solches Kleingewerbe eine Existenzberechtigung hat. Wo sollen die denn noch hin? Sie werden doch überall vertrieben. Und für den zu Fuß erreichbaren Recycling-Hof bin ich dankbar, wenn ich z. B. mal einen PC-Monitor loswerden will.

    Am Begriff „Brachland“ scheiden sich wahrscheinlich vollends die Geister. Was ist so schlimm daran, wenn noch ein paar Quadratmeter nicht ausgebeutete Fläche übrigbleiben, auf denen so etwas wie Natur gedeihen kann?

    Zu Christian Breßler: „Veränderungen in der Stadt wird es immer geben“, diesen banalen Satz habe ich als Rechtfertigung für die Totalvermarktung der Stadt und die Verdrängung sozial Schwächerer aus allen Innenstadtbezirken inzwischen tausendmal gelesen. „Wer möchte schon in einer Großstadt wohnen, die sich gar nicht verändert?“ Niemand. Oder hat hier irgend jemand etwas anderes behauptet? Hier geht es um eine bestimmte Art der Veränderung. Die findet in ganz Berlin statt. Und man muß sie nicht mögen.

  5. Holger | 25.06.08 um 02:40 |

    OK, das mit der DB AG, Vattenfall und der BSR hab ich fälschlicherweise umgekehrt, ist aber eigentlich auch egal, weil investiert wird trotzdem.

    Ansonsten glaub ich, dass in der Linse weit mehr als 100 oder 200 Menschen wohnen, letztendlich ist das auch egal, weil jede und jeder einzeln wichtig ist.

    Aber trotzdem die Gegenfrage, wieviele Leute denn von der Verschattung in der Cheruskerstraße betroffen wären? 50 oder gar 70? Versteht ihr…?

    Weitere Diskussionen anderswo.

  6. Heinz Herbert | 25.06.08 um 11:02 |

    Um auch mal meine unmaßgebliche Meinung zu äußern: Ich stimme Holger und Alexa (wenn auch nicht in allen Punkten) zu.
    Wann sind Müller & Co. akzeptabel (auch im Hinblick auf welche Planung an der ‚Schöneberger Linse‘)?
    Ebenso wie deren Vorstellung von „Stadt“?
    Die zudem – aus mitunter sehr durchsichtigen Gründen – von bestimmten Politikern (auch a. D.) unterstützt werden?
    Zum Beispiel auch: Verschattung gebannt – BI erledigt?
    Da möchte ich doch mal auf das 1999 erschienene Buch „Stadt als Beute“ (Klaus Ronneberger, Stephan Lanz und Walther Jahn // Dietz-Verlag) verweisen:
    Auszug aus einer Kritik der NZZ (Neuen Zürcher Zeitung):
    „… Die drei Autoren, soziologisch geschulte Stadtplaner, umreißen in ihrem locker geschriebenen Buch ein Szenario, das den Leser bedenklich stimmen muss. Ihre Diagnose besagt, dass sich die politische Aufmerksamkeit mehr und mehr auf den Lebensstil der finanzstarken Mittelschicht fokussiert, deren Ansprüche an den städtischen Raum befriedigt werden sollen. …“
    azche24 stimme ich insofern zu, als dass auch ich keine künstlich geschaffenen „Schutzzonen“ kenne, die so „funktionieren“, wie sie sollten.

  7. Interessante Diskussion haben wir hier. 😉

    Nur kurz zu Holger

    Aber trotzdem die Gegenfrage, wieviele Leute denn von der Verschattung in der Cheruskerstraße betroffen wären? 50 oder gar 70? Versteht ihr…?

    1. In Cherusker-/Ebers- und einigen anderen Straßen unmittelbar neben dem Gasag-Gelände sind nach meinen Schätzungen etwa 5 – 10.000 Menschen unmittelbar von diesem Projekt betroffen (etwa 40 – 100 pro Haus und mindstens 100 Altbauten/Hausnummern).

    2. Verstehe ich nicht. Was verändert sich denn so dramatisch für die Mieter des einen Wohnblocks auf der Linse? Abnahme von Fahrzeugverkehr, kein Ausblick mehr auf Autoplätze, womöglich bessere fußläufige Einkaufsmöglichkeiten? Was ist da eigentlich das Problem?

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