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Ich wohne mit meiner Familie direkt vor dem Gasometer auf der roten Insel in Schöneberg. Und mag dieses Industriedenkmal und Wahrzeichen seit Jahren.

Denkmalschändung und Druckgebläse

Was hier so faszinierend glitzert, ist nur ein Loch im Wasserbehälter des Schöneberger Gasometers. Immer neue Nutzungen im Gasometer führen zu ständigen Eingriffen und keinem denkmalgerechten Umgang mit dem Industriedenkmal. Es wurden große Löcher in den Wasserbehälter an der östlichen Seite des Gasometers geschnitten, um Installationen und ein Druckluftgebläse anzudocken. Dies ist kein schöner Anblick.

Vor allem aber sieht der Gasometer durch diese lieblosen und in “Hau-Ruck-Manier” durchgeführten Umbauaktionen immer mehr aus wie der Hinterhof eines billigen Rummelplatzes. Was er in gewisser Weise auch geworden ist, denn ein schlüssiges und unter dem Gesichtspunkt der Denkmalpflege befriedigendes Konzept für eine Nutzung des Wasserbehälters ist bis heute nicht bekannt. Die aktuellen Änderungen scheinen auf die neue Nutzung als Fernsehstudio zurückzuführen zu sein. Weiterlesen

Nordspitze: Vorm Spielen wird gewarnt

Schlamm im Baufeld 7Auf der Nordspitze, dem nördlichsten Zipfel des ehemaligen Gaswerks Schöneberg, befinden sich (immer noch) giftige Substanzen im Boden. Es handelt sich um Rückstände der Gasproduktion, und beseitigt sind sie bisher nur auf der nördlichen Seite des Zauns im Bereich der neuen Grünanlage des erweiterten Cheruskerparks. Dort hat der Bezirk zusammen mit der GASAG eine große Summe für die komplette Altlastensanierung ausgegeben.1 Doch jetzt wird unmittelbar nebenan in weniger als 10 Metern Entfernung das Erdreich bewegt. Eine Gefahr für die Nutzer der Grünfläche und des Spielplatzes ist derzeit nicht auszuschließen!

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  1. siehe die umfangreiche Dokumentation der BI-Gasometer zur Nordspitze 

Planungsstand: Eins, Zwei, Drei

Lageplan Gasometergelände

Ganz schnell gab es in der Bezirksverordnetenversammlung vom 22. Juni 2011 noch etwas zu erledigen, bevor die Wahlperiode ausläuft: Weil die Nibelungentreue von CDU und SPD zu Projektentwickler Reinhard Müller seit 2008 so gut funktioniert hat, wollte man ihm noch die Planreife für mehrere Bauanträge auf dem alten Gasag-Gelände gönnen, die wir auf der nebenstehenden Grafik (nach unserem Informationsstand) darstellen.

Neben Baufeld 7 ist es jetzt auch auf  den Baufeldern 8, 6 und 15 (Ost) erlaubt, ein Hochhaus zu errichten. Welche Nutzung hat der Grundstückseigentümer, der das Gelände einst als „Europäisches Energieforum“ inszenierte, in den Bauanträgen angegeben? Jeweils Bürogebäude mit Tiefgarage! Wer sich aber für die insgesamt rund 46.000 qm neuer Gewerbefläche interessieren sollte, ist nicht bekannt.

Klar ist hingegen, dass dem einfallsreichen Projektentwickler mangels notwendiger verkehrlicher Erschließung durch eine neue Straße von Süden weitere Neubauten vorerst nicht mehr genehmigt werden können. Die BVV hat ihm also auf Vorrat Baurechte bewilligt und damit allen bewiesen, dass das Konzept eines Energie­forums tatsächlich eine Luftnummer war.

 

Cheruskerpark Nord bleibt übersichtlich

Vor etwa einem Jahr am 03.07.2010 eröffnete der für Bürgerdienste, Ordnungsaufgaben, Natur und Umwelt zuständige Stadtrat Oliver Schworck (SPD) die neue Grünfläche auf der Nordspitze und den mit erheblichen Mitteln von Grün, Bäumen und Büschen weitgehend befreiten Teil des nördlichen Cheruskerparks.

Wie kurz darauf am Lassenpark war es zuvor zu heftigen Protesten der Anwohner gekommen, weil der Stadtrat dort wie hier ohne Kommunikation mit den Anwohnern zahlreiche Bäume und Büsche gerodet, viel Tiefbau beauftragt und seine höchstpersönlichen Vorstellungen von einer übersichtlichen Parkanlage durchgesetzt hatte. Weiterlesen

Schwarz fährt elektrisch

Munter betreibt CDU-Baustadtrat Bernd Krömer Wahlkampf mit angeblich grünen Elektroautos. Wir zitieren aus einer Pressemitteilung des BA Tempelhof-Schöneberg:

Am morgigen Mittwoch startet der Baustadtrat Bernd Krömer in die elektro-mobile Zukunft. Vor dem Rathaus Schöneberg wird Herr Krömer ein Elektromobil übernehmen und für eine Woche im Berliner Straßenverkehr Probe fahren. Das Fahrzeug wird vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) zur Verfügung gestellt.

Zwar kommt bei Schwarz der Strom immer noch aus der Steckdose und ist nicht unbedingt grün, weil man seine Erzeugung nicht mehr riechen oder in Form von Atommüll erleben kann. Auch kann Krömer zu Recht feststellen:

„Weltweit sind Metropolen die Vorreiter in der Elektromobilität“, so Bernd Krömer weiter, „Berlin hat auf diese Entwicklungen viel zu spät reagiert.

Richtig. Das haben wir in unserem Artikel Delmenhorst ist weiter auch schon bemerkt – im März 2010. Und wünschen unfallfreie Fahrt bis zum nächsten Wahlsonntag.

Höchstmögliches Verwertungsinteresse

Torgauer Straße mit Werbung

Torgauer Straße mit Werbung EUREF

Unter dem fantasy-Namen „Euref” (Europäisches Energieforum”) will sich der Berliner Immobilien-Mann Reinhard Müller in Schöneberg höchstmögliches Baurecht verschaffen. Vor vier Jahren hat er dazu von der GASAG Teile des Gasometer-Geländes gekauft. Das kleine Areal an der Torgauer Straße soll Kerngebiet und mit zehn neuen Hochhäusern zugebaut werden. Sogar der denkmalgeschützte Gasbehälter wird mit einem 57 Meter hohen Innenausbau bedroht.

Das Landesdenkmalamt war dagegen, sah aber von seinen „erheblichen denkmalpflegerischen Bedenken“ ab, um „die Verwertungsinteressen des potenziellen Investors an einer höchstmöglichen Ausnutzung des Grundstückes“ nicht zu gefährden.

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Jauch auch

Günther Jauch will ab September 2011 in der so genannten “WM-Kuppel” im Schöneberger Gasometer eine Talk-Show produzieren. Wie die Berliner Zeitung meldet, soll von Sonnabend bis Montag die Fernsehproduktion diesen temporären Bau füllen, der ansonsten laut Berliner Zeitung für 7.500 EUR täglich vermietet wird.

Ein recht seltsamer Terminplan, da angeblich in Kürze der “offizielle Beginn” der Instandsetzungsarbeiten am rostenden Führungsgerüst des Gasometers sein soll. Und die dafür mit großer Sicherheit notwendigen Sandstrahl- und Lackierarbeiten während der Arbeitswoche würden mit der Nutzung durch die Fernsehproduktion noch nicht einmal kollidieren.

Eine Anwohnerin und langjährige Aktive unserer Initiative kommentierte das mit den Worten:

Veranstaltungen und solche Produktionen sind ja keine abwegige Nutzung für den alten Gasometer. Wenn der Denkmalkönig doch nur endlich den Gasometer vom Rost befreien und für eine richtige und denkmalgerechte Veranstaltungshalle in dem großen Rondell sorgen würde – mit Schallschutz, ordentlichen Fluchtwegen und ohne rote Türen.

Allerdings hat Herr Müller auch hier ein altes Problem: Mit dem Thema “Energie-Forum” hat das alles nichts zu tun. Vielleicht Zeit für einen Themenwechsel und ein anderes Nutzungskonzept.

Zeit für einen Themenwechsel am Gasometer also.

Liebe Gasag, liebe Eisbären

Ankündigung Gasag: Siegesfeier Eisbären

Ankündigung Gasag: Siegesfeier Eisbären

… alle Anwohner des Gasometers, in dem eine rauschende Siegesfeier steigen soll, sind geradezu entzückt über die sportlichen Erfolge im Eishockey und darüber, dass es etwas zu feiern gibt. Gern nehmen wir Nachbarn dafür auch an einem Feiertag Lärm bis 23.00 Uhr (und hoffentlich nicht darüber hinaus) in Kauf.

  • Aber findet Ihr nicht auch, dass eine Siegesfeier für ein so großes Ereignis besser in einer richtigen Veranstaltungshalle untergebracht wäre?
  • Ist es nicht etwas sehr prollig, in einem Partyzelt inmitten eines leise vor sich hin rostenden Industriedenkmals zu feiern?
  • Wäre es nicht schön, wenn Gasag und Bären einen richtigen Ort zum Feiern hätten?
  • Zum Beispiel in einem nagelneu instand gesetzten Gasometer mit einer richtigen Veranstaltungshalle, die ein richtiges Dach, Schallschutz und ordentliche Toiletten hat?
  • Wäre es nicht wunderbar, wenn Gasag und Bären im nächsten Jahr richtig feiern könnten?

Dann müsstet Ihr aber den Eigentümer des Gasometers dazu bringen, den Gasometer zu entrosten und mit echtem Geld eine richtige Veranstaltungshalle zu bauen. Da gäbe es was zu feiern. Und Grund für die Anwohner und Nachbarn, sich richtig zu freuen.

Denkmalpflege durch Verhüllung

Schleusenhaus mit Baum (verhüllt)

Was Sie hier sehen, ist keine EUREF-Litfasssäule, sondern ein Denkmal. Das so genannte Schleusenhaus steht zusammen mit dem Schöneberger Gasometer auf der Denkmalliste und ist daher nach dem Denkmalschutzgesetz Berlin geschützt. Es darf nach § 11 des Gesetzes nicht ohne Genehmigung der zuständigen Behörde in seinem Erscheinungsbild verändert, werden.1

Die Veränderung an diesem Denkmal ist offensichtlich. Besser gesagt, das Denkmal ist verhüllt, und zwar fast vollständig bis auf das Dach. Eine umfassendere Verschandelung eines Denkmals ließe sich wohl nur durch einen kompletten Abriss erreichen. In jedem Fall ist eine solche Veränderung genehmigungspflichtig.

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  1. § 11 Abs. 1 Nr. 1 DenkmalschG Berlin 

Und Euref macht es auch nicht

Außenwerbung und Graffitis an der Torgauer Straße

Die “Betonköpfe” in den Fraktionen von CDU und SPD glauben ganz fest an ihr kleines “Leuchttumprojekt” am Gasometer und haben wie  zu erwarten in der Sitzung vom 16.03.2011 der BVV kurz vor Toresschluss gegen 21 Uhr für die vorzeitige Planreife auch ohne ausreichende Erschließung des Geländes gestimmt.

Der BV Seltz (SPD) kündigte nur einen Antrag der SPD zur Schließung der Torgauer Straße “aus Richtung” Norden an. Gemeint ist damit vermutlich die Sperrung der Torgauer Straße von der Roten Insel her, also aus Richtung Osten. Weiterlesen