Torgauer IV: Widerstand im Geheimen

Grünflächenplanung Torgauer Straße

Grünflächenplanung Torgauer Straße

Die Grünflächen entlang der Torgauer Straße gehören zu den kostspieligsten Einzelprojekten innerhalb des Stadtumbau-Programms am Südkreuz. Das liegt vor allem an den Ankaufspreisen für die Flächen und den Kosten der Altlastensanierung.

Das Cherusker-Dreieck (Torgauer Straße 11a) wurde von der Bahn-Tochter Vivico für 320.000 Euro erworben. Hinzu kommen Kosten für die Beseitigung von Altlasten in Höhe von ca. 230.000 Euro. Das macht nur für diese Fläche schon mal 550.000 Euro. Nicht anders verhält es sich mit den bisher von Kleingewerbe genutzten  Flächen südlich der Torgauer Straße an der Ringbahn (Torgauer Straße 17-32), die bereits 2007 zunächst von der Vivico an Private veräußert wurden. Hier musste der Bezirk aus Stadtumbaumitteln 2009 1.410.000 Euro hinlegen, und auch hier gibt es noch Altlasten abzutragen.1 Es wird mit ca. 214.000 Euro für die Bodensanierung gerechnet. Ein Teil der für das Projekt insgesamt vorgesehenen 3,1 Millionen Euro (ohne Grunderwerb) sind also bereits ausgegeben oder verplant. Honorare und der Rückbau der vorhandenen Bebauung sind ebenfalls noch vor dem eigentlichen Bau der neuen Grünflächen zu berücksichtigen.

Wie kam es dazu, dass der Bezirk sich die Grundstücke nicht schon vor längerer Zeit gesichert hat und letztlich den aktuellen Verkehrswert für Gewerbeflächen bezahlen musste? Weiterlesen


  1. Über das Grundstück Torgauer Straße 17 soll u.a. die neue Planstraße zur Erschließung des Kerngebiets (Euref) auf dem Gaswerksgelände verlaufen. Reinhard Müller hat im Übrigen für den größten Teil des vormaligen GASAG-Geländes nur 1 Mio Euro gezahlt. 

Fahrradwege prallen auf Tulpenschilder

Eingang Cheruskerpark mit "Tulpe"

Einen seltsamen Verlauf nahm die Veranstaltung des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg mit dem Thema „Bürgerinformation Grünzug Südkreuz und Querung Wannseebahngraben“ am 19.04.2012. Einfache Hinweise der etwa 100 anwesenden AnwohnerInnen auf Planungslücken des Bezirksamts sorgten für fachliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Bezirksamts und zeigten vielfach bessere Detaillösungen auf.

Nachbesserung versprachen die MitarbeiterInnen des Bezirksamts beim Fahrradverkehr über den als „Saager-Steig“ bekannten Weg von der Roten Insel Richtung Ebersstraße und bei den Details der Parkgestaltung. Und das Cheruskerdreieck bekommt vielleicht sogar eine Rodelbahn. Nur an Julius Leber will niemand so richtig erinnert werden.

Die Einladung zur Veranstaltung war in 8000 Exemplaren gedruckt worden. Eine solche Menge reicht nach unseren eigenen Erfahrungen, um jeden Haushalt auf der Roten Insel und in der Ebersstraße mit je einem Flyer zu versorgen. Allerdings waren die Verteiler des Bezirksamts scheinbar nicht über die Leuthener Straße hinaus gekommen. Weite Teile unserer Nachbarschaft, die von zuständigen Fachbeamtin Frau Hoffmann als „Gebietskulisse“ bezeichnet wurde, hatten jedenfalls keine Einladung erhalten.

Trotzdem waren etwa 100 AnwohnerInnen erschienen. Sie bekamen einen Abriss der Planung des Grünzuges entlang der Torgauer Straße und im südlichen Teil des Cheruskerparks (das so genannte „Cheruskerdreieck“). Hier soll vor allem der etwa 20 Weiterlesen

Torgauer III: Geheimnisse eines Dreiecks

Graffiti einer Autowerkstatt an der Torgauer Straße

Graffiti einer Autowerkstatt an der Torgauer Straße

Großspurige Straßenplanungen sind nicht nur aktuell ein Thema für die Torgauer Straße, sondern auch Teil ihrer Geschichte. Eine Querung der Ringbahn im westlichen Bereich, wie sie derzeit zur Neuerschließung des alten Gaswerks Schöneberg für „Euref“ geplant ist, war schon einmal im Gespräch. Die Rede ist natürlich von der seit 1965 projektierten Westtangente. Kreativ und erfolgreich zog eine der ersten Bürgerinitiativen der Stadt seit 1974 gegen die Autobahnpläne ins Feld.

Wegen des Protests der BI Westtangente kamen die Befürworter der autogerechten Stadt mit ihrer Autobahn nicht weiter als bis zum Kreuz Schöneberg am Sachsendamm. Sinnfällig zeigt der Blick auf den heutigen Stadtplan, was dadurch verhindert worden ist. Den frühen Planungen zufolge wäre die Autobahn nach Norden entlang des Cheruskerparks in den Bahngraben der S1 verlaufen. Sowohl Teile der Bebauung der Cheruskerstraße als auch die meisten historischen Bauten des alten Gaswerks Schöneberg wären der Betontrasse geopfert worden. Die Rote Insel, aber vor allem die Torgauer Straße hätten ihr Gesicht grundlegend geändert. Weiterlesen

LED Leuchtturmprojekt EOL

EOL – End Of Life sagt man bei Glühbirnen, LEDs und Politikern, wenn es vorbei ist mit der Leuchtkraft. Der Nightmare-Screen am Gasometer wurde im Herbst 2008 eingeweiht. Seit dem Jahreswechsel ist die Flimmerreklame außer Betrieb.[shashin type=“photo“ id=“345″ size=“medium“ columns=“max“ order=“user“ caption=“n“ position=“right“] Schon zuvor kam es häufiger zu spektakulären Aussetzern wie auf unserer Aufnahme. Jetzt bauen Industriekletterer die aus Baustahlmatten bestehende Konstruktion ab. Und es wird wohl nie wieder flimmern.

Gefährlich: Abbau des LED-Screens

Mit maximalem Tamtam und Häppchenparty am Sachsendamm wurde  im September 2008 der „größte Night-Screen Europas“ offiziell eingeweiht. Da war schon bekannt, wie Weiterlesen

Alles Verhandlungssache

Wie berichtet, ist der Bezirk auf undurchsichtige Weise zu dem Entschluss gelangt, dass die Verkehrserschließung des Immobilienprojekts „Euref“ eine Förderung als „wirtschaftliche Infrastrukturmaßnahme“ verdiene. Derzeit ist ein Antrag auf GRW-Fördermittel bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft in Vorbereitung. Soviel zu den noch im letzten Frühjahr zu hörenden Beteuerungen, der „Investor“ bezahle selbstverständlich die Erschließungsstraße selber. Dem Bezirk war letztes Jahr schon bekannt, dass sich die Kosten der sogenannten Planstraße (in der festgelegten Variante 2b) nicht mehr bei um die 5 Millionen Euro bewegten, sondern bei geschätzten 9,3 Millionen lagen.

Anstatt der Bezirksverordnetenversammlung bei den Abstimmungen am 16.3.2011 und am 22.6.2011 korrekterweise Bericht zu erstatten, hüllte sich das Bezirksamt in Schweigen. Weiterlesen

Torgauer II: Geheimnisvolle Straßenplanung

Altes Gaswerk und Umfeld

Altes Gaswerk und Umfeld (B-Plan 7-29)

Im Teil I zur Torgauer Straße begann der Weg im Westen am Sachsendamm. Über das alte mehr als hundertjährige historische Pflaster ging es die Steigung hinauf bis zum alten Gaswerksgelände. Wie geht es hier im Westen der Torgauer weiter? Zum einen will der Bezirk Steuergelder in eine völlig überflüssige Grünfläche nördlich der Ringbahn und westlich einer neuen Planstraße an einer Bahnböschung ausgeben. Gleichzeitig steht fest, dass zur Erschließung des Bürostandorts „EUREF“ auf dem alten GASAG-Gelände diese neue Straße (Planstraße) kommen muss. Das legt der Bebauungsplan 7-29 fest, der für den Projektentwickler Reinhard Müller aufgestellt wurde. Der entsprechende städtebauliche Vertrag zwischen Bezirk und Müller aus dem Jahr 2009 ist jedoch in Bezug auf die Planstraße recht ungenau. Eindeutig ist dort aber trotzdem festgehalten:

„Auf der Grundlage des … beigefügten Vorentwurfs übernimmt der Vorhabenträger die Planung und Herstellung der noch abschließend abzustimmenden und im Erschließungsvertrag verbindlich festzulegenden Erschließungsanlagen für das Bebauungsplangebiet im eigenen Namen und für eigene Rechnung.“

Es wurde geregelt, dass die Kosten allein durch den Projektentwickler getragen werden sollten und die Straße nach Fertigstellung in den Besitz des Landes Berlin übergeht, das fortan den Unterhalt finanziert.1

Zu Beginn des Jahres wurde in den Ausschüssen für Tiefbau (23.1.12) und Stadtentwicklung (8.2.12) kurz von neuen Fakten berichtet. Auf dieser Website wurde nach Recherchen der BI erstmals ausführlicher dargestellt, was sich in den letzten Monaten hinter verschlossenen Türen getan hat. Weiterlesen


  1. Die Planstraße wird auf öffentlichem Land gebaut. Das Land Berlin hat hierzu auch neue Flächen angekauft. Eine 115 qm große Fläche direkt an der Einfahrt auf das Gelände (Bezirksbesitz) wird gegen 341 Straßenland (im Besitz einer Firma von Reinhard Müller) getauscht. 

Planstraße – Der Griff in die Kasse

Torgauer Straße mit Eisenbahnbrücke der westlichen Ringbahn-Spitzkehre, 1912 (Museen Tempelhof-Schöneberg von Berlin / Archiv)

Torgauer Straße mit Eisenbahnbrücke der westlichen Ringbahn-Spitzkehre, 1912 (Museen Tempelhof-Schöneberg von Berlin / Archiv)

Genau zwei Tage vor seinem Amtsende hat am 21.11.2011 der Bezirksstadtrat Bernd Krömer (CDU) durch einen unanfechtbaren Nachtrag zum städtebaulichen Vertrag über die Planstraße vom Sachsendamm zum alten Gasag-Gelände (EUREF) den Bezirk Tempelhof-Schöneberg in die Verantwortung genommen. Es wurden noch schnell Fakten geschaffen: Projektentwickler Reinhard Müller sollte offenbar der Zugang zu öffentlicher Förderung eröffnet werden, um ihn finanziell zu entlasten. Zudem werden ihm durch den Nachtrag Optionen für gewinnversprechende Nachverhandlungen eröffnet.

Erschließungsproblem

Die so genannte Planstraße ist eine geplante Straßenverbindung, die vom Sachsendamm kommend an der Teske-Oberschule vorbei unter den Bahnanlagen der Ringbahn hindurch, die Torgauer Straße kreuzend, direkt auf das EUREF-Gelände am Gasometer führt. Diese Straße ist notwendig für die Erschließung des Geländes und vor allem dafür, dass dort mehr als die gegenwärtig genehmigten und vorhandenen Baumassen entstehen können.

Der momentane Bauten- und Genehmigungsstand von rund 46.400 m² Geschossfläche (GF) beruht auf einem Verkehrsgutachten des Vorhabenträgers EUREF vom 19.11.20101 und auf einer maximalen Auslastung der Torgauer Straße im jetzigen Zustand. Die Verkehrsbelastung soll sich dem Gutachten zufolge durch veränderte Nutzungsabsichten gegenüber dem Stand der Planung und Begutachtung von November 20092 erheblich verringern.3 Weiterlesen


  1. erstellt von der Firma Hoffmann & Leichter 

  2. 66.000 m² GF, 1.400 Arbeitsplätze, zusätzliche 1.200 Fahrzeugbewegungen täglich 

  3. Stand November 2010: 46.400 m² GF und 30 Wohneinheiten, 950 Arbeitsplätze, jetzt nur noch 450 zusätzliche Fahrzeugbewegungen täglich 

Gelindes Chaos beim Stadtumbau

Überfüllung Teil I

Mit etwa 250 interessierten Zuhörerinnen war die Informationsveranstaltung des Bezirksamts am 26.01.2012 sehr gut besucht. Die breit gestreute Einladung hatte Wirkung gezeigt. Chaotisch wirkte dagegen der Ablauf: Zunächst musste der zu kleine „Kennedy-Saal“ im Rathaus Schöneberg wegen Überfüllung geschlossen werden. Die Versammlung wurde dann (mit Stühletragen) in den benachbarten „Willy-Brandt“ Saal verlegt, wo die Referenten ohne Verstärkung nur schwer zu verstehen waren.

Überfüllung II

Inhaltlich gab es wenig Neues: An den Yorckbrücken werden zwei statt geplant einer Brücke restauriert. Die Fahrradverbindung am Südkreuz bleibt symbolisch und schwierig. Die Verbindung vom Leuthener Platz nach Tempelhof kommt vielleicht noch in diesem Jahr. Der Stadtraum unter den Yorckbrücken hat nur eine geringe Aufenthaltsqualität. Immerhin wird es demnächst möglich sein, die Yorckstraße vom Gleisdreieck aus Richtung Süden ohne Lebensgefahr und Ampel über Eine Brücke zu überqueren. In diesem Jahr werden rund 2,6 Millionen EUR Fördermittel erwartet.

Mittelfrage: Die Fördermittel

Aufgrund der widrigen äußeren Umstände, aber auch durch völlig fehlende Struktur gelang es dem Bezirksamt nicht, die Fülle der Informationen sinnvoll zu strukturieren. Was ist fertig, was noch zu erwarten – wie hängt das zusammen und in welchen Bereichen werden die Anwohnerinnen überhaupt noch beteiligt? Wer Antworten auf diese Fragen suchte, war auf der falschen Veranstaltung. Offensichtlich war jedoch: Es gibt viel Geld aus Fördertöpfen zu verbauen und das Bezirksamt braucht regelmäßige Veranstaltungen, um den Bedingungen des Fördergebers zu genügen.

Leuchtturm 2012 im Dunkel

Abenddämmerung mit Gasometer und KranAuffallend dunkel ist es derzeit um den Gasometer. Hell ist nur die Baustelle für Haus 7 auf dem alten GASAG-Gelände erleuchtet. Das Jahr beginnt also mit markanten Akzenten. Während die Neubebauung offenbar Priorität genießt, ist von der Sanierung des rostenden Gasbehälters nichts zu sehen.

Auch die Sanierung und Neueinrichtung des alten Maschinen- und Kesselhauses von Alfred Messel, in dem ja im Sommer laut offiziellen Auskünften die TU Studiengänge abhalten will, scheint nur zögerlich zu erfolgen. Geheimnisvoll hatte es in Pressemeldungen des vergangenen Sommers ja geheißen:

„Finanziert durch externe Investoren, werden die 1.700 Quadratmeter Nutzfläche des denkmalgeschützten roten Backsteingebäudes in den nächsten Monaten für den Wissenschaftsbetrieb umgebaut und denkmalgeschützt saniert.“

Apropos Dunkelheit, die „Nightscreen“-Werbefläche am Gasometer leuchtet schon seit Weihnachten nicht mehr. Sie wurde abgeschaltet, als immer mehr Leuchtdioden ausfielen. Dass die defizitäre Anlage derzeit für entbehrlich gehalten wird, ist wohl bezeichnend. Schließlich wurden auch 2011 keine Gewinne erzielt. Hat das sinnlose „große Flimmern“ an einem Baudenkmal ein endgültiges Ende gefunden? Weiterlesen

Tiefgarage wird nachts betoniert

Baugrube an der Nordspitze

Die Baugrube auf dem aktuellen Bild nebenan will gefüllt werden. Ein Anwohner aus dem gegenüber der Nordspitze gelegenen Haus Cheruskerstraße 7 wurde durch die Senatsverwaltung darüber informiert, dass die Betonierarbeiten für die Tiefgarage des Hochhauses in der Nacht vom 14. auf den 15.12.2011 auch nach 22.00 Uhr bis 01.00 Uhr nachts mit Lärmpegeln von bis zu 62 dbA (gemessen 0,5 Meter vor dem geöffneten Fenster der am nächsten an der Baustelle gelegenen Fenster) durchgeführt werden dürfen. Kurzfristige Überschreitungen dieses ohnehin schon hohen Lärmpegels um bis zu 8 dbA (Lärmspitzen) sind zulässig.

Die erhebliche Überschreitung der zur Nachtzeit zulässigen Höchstwerte (zulässig sind ab 22 Uhr in allgemeinen Wohngebieten 40 dbA) wird durch die Senatsverwaltung mit technischen Anforderungen des Bauherren begründet: Viel Beton muss ohne Unterbrechung verarbeitet werden. Nach einschlägigen Veröffentlichungen entspricht ein um 10 dbA angehobener Pegel subjektiv -also beim betroffenen Anwohner- einer Verdoppelung des Schallpegels. Da mag sich jede/r ausrechnen, um wieviel Prozent sich der Lärmpegel vor den Fenstern der Cherusker- und Ebersstraße hier erhöht.

Und von durchfahrenden Betonmischern in der Torgauer Straße (die nach einstimmigem Beschluss der BVV schon in der letzten Wahlperiode am östlichen Ende geschlossen werden sollte) ist weiterer Lärm zu erwarten. Proteste sind ausdrücklich erwünscht.