Was ist Bürgerbeteiligung?

Als eifriger Webmaster schaue ich immer brav nach, woher Besucher kommen. Viele bei uns kommen aus dem Deutschen Architekturforum, wo sich in einem ebenso rüpelhaften wie engagiert-stahlbetonaffinen Diskussionsthread mittlerweile viele Stimmen tummeln. Viele davon bemühen sich sehr stark um Definitionen und die damit verbundene Deutungsmacht.

Am besten heute gefiel mir die selbst beantwortete Frage “Was ist Bürgerbeteiligung?”:

Nur ist die Öffentlichkeitsbeteiligung nicht erfunden worden, damit irgend jemand seine politischen Positionen postulieren kann, damit er Architekturkritik betreibt oder seine verklärten Vorstellungen von gewachsenen Räumen manifestiert. Bürgerbeteiligung meint den Schutz vor unzumutbaren Zuständen, die Anerkennung elementarer Rechte Einzelner und ggf. den Ausgleich bisheriger Defizite.

Manchmal wünsche ich mir, Verfasser solcher Zeilen würden entweder vor dem Senden lesen oder nach dem Senden des Beitrags nachlesen. Dann würden sie merken, dass der erste Teil ziemlich genau wiedergibt, was Bürgerbeteiligung ausmacht (wenn wir uns jetzt mal die überflüssigen Adjektive wegdenken). Und würden auch merken, dass der zweite Satz ziemlich weit daneben liegt. Um Einzelne geht es weniger bei der Bürgerbeteiligung. Die elementaren Rechte von Anwohnern sollten eigentlich bereits in der Entwurfsplanung und gleichsam von Amts wegen berücksichtigt sein – aber das widerspricht wohl der Grundauffassung des dortigen Verfassers von Planung.  Und auch der Ausgleich bisheriger Defizite ist grundsätzliches Anliegen von Planung und sollte daher regelmäßig bereits vor Beginn der Bürgerbeteiligung berücksichtigt sein.

Oder wie mein Freund Frank in seiner manchmal etwas schlichten Ausdrucksweise sagen würde:

Wat quatscht der denn! Diese Betonruinen nützen doch nun wirklich niemandem, oder?

Und was bei vielen Beiträgen noch auffällig ist: Viele Architekten oder Architekturinteressierte drücken sich scheinbar noch verschwurbelter und verquaster aus als Politiker und Juristen. Nur dass die Architekten schneller das verbale Messer zücken. Kaum ein Beitrag ohne Beleidigung und Polemik.

Und worauf ein weiterer Beitrag zur Recht hinweist: Leider sind zahlreiche Beiträge dort von einem Ressentiment und einer Demagogie geprägt, das liest sich ganz furchtbar.