Potsdamer Platz am Gasometer

Unsere “‘Grafikabteilung” in der Cheruskerstraße hat wieder zugeschlagen: Zur Vorbereitung der Veranstaltung am Donnerstag, dem 12.06.02008 hat Heike eine Grafik erstellt, aus der die Baumassen der gegenwärtigen Planung sehr gut erkennbar sind und auch, wie der Gasometer dadurch verschandelt, “verzwergt” und verunstaltet würde:

Gasometer und Baumassen

Die Grafik montiert ein reales Foto vom Dach eines Hauses (Cherusker/Rossbachstraße, etwa 20 Meter Höhe) gegen ebenso reale Ansichten der Bauten des Potsdamer Platzes. Die mit Verlaub Übelkeit erregende Füllung des Gasometers wurde aus einem Foto der Modelle des Projektentwicklers Müller extrahiert. Weitere Ansichten des Gasometers immer aktuell auf www.gasometer-schoeneberg.de . Wer will das, wer braucht das?

Von wegen “Landmark”, von wegen massiv!

Der Gasometer 1964 auf einem historischen Pressefoto

Der Projektentwickler Müller und seine Texter erfinden ja gern die Wirklichkeit neu, wie wir spätestens seit dem Preisrätsel der BI Gasometer wissen, wo wir in der inhaltlich richtigen Zusammenfassung einer halbstündigen Präsentation Müllers zum Projekt Gasometer mehr als 10 Tatsachenverdrehungen, dreiste Lügen und Halbwahrheiten fanden.

Eine davon war, der Gasometer werde mehr als 65 Meter hoch “transparent” ausgebaut. Was ebenso Unfug sein dürfte wie die schlanke Behauptung, der solchermaßen ausgebaute Gasometer würde ein “Landmark” darstellen. Erstens ist ein mit Beton und Glas ausgebauter Gasometer kein “Landmark” mehr, sondern ein völlig beliebiges, etwas unförmiges Gebäude. Zweitens zeigt das historische Foto von Bauarbeiten am Autobahnkreuz Sachsendamm, dass der Gasometer im Regelbetrieb von weitem kaum über die Baumwipfel hinaus gefüllt war, also bis zum 3. oder 4. Ring; der dritte Ring markiert etwa die Höhe normaler Berliner Altbauten. Drittens zeigt das Foto sehr deutlich, dass mit Hilfe der vom Projektentwickler entworfenen Hochhäuser am Rande des Geländes (Höhe von 65 – 70 Meter) der Gasometer aus der Ferne überhaupt nicht mehr sichtbar wäre. Von Süden verdeckt nach dem städtebaulichen Entwurf des PE ein Hotelneubau mit ca. 70 Metern Höhe die Sicht. Von Westen schirmt ein über 60 Meter hoher Hochhausriegel a’ la Sozialpalast die Sicht ab und zu sehen ist vom “Landmark” dann überhaupt nichts mehr. Das hat unsere Grafikabteilung aus der Cheruskerstraße bereits recht eindrucksvoll dargestellt.

Gasometerausbau in klein – ziemlich massiv

Auf Umwegen erreicht uns aus London ein Bild von einem dortigen Bauprojekt, wo wesentlich kleinere Gasspeicher ausgebaut werden.

“Gasometer” in London - King´s Cross

Zum Vergleich: “Unser” Gasometer ist etwa vier Mal so hoch wie die drei recht massiven Rundbauten auf dem Bild. Durch viele Beiträge geistert übrigens immer die Ansicht, der Gasometer würde mit “Glas ausgebaut”. Das ist Unfug. Der Ausbau erfolgt mit einer ganz normalen Beton/Stahl Konstruktion. Allenfalls die Fassadenelemente oder Fenster bestehen aus Glas. Der Ausbau selbst ist aber massiv. Da darf man sich von den künstlich von innen heraus beleuchteten Modellen des Projektentwicklers nicht täuschen lassen.

Gasometer dynamisch – eine kluge Idee

Eine gute Idee kam per Email an uns. Ich gebe das hier einfach wieder:

Kürzlich habe ich mit Freunden, die in der Cheruskerstr. wohnen, über das Gasometerprojekt gesprochen. Aufgefallen ist mir bei dem Rückgriff auf den Denkmalschutz und der damit verbundenen Festlegung der Neubauhöhe auf die maximale Höhe des Druckbehälters im bestehenden Stahlgerüst, dass historisch betrachtet, die Funktionshöhe des Druckbehälters je nach Gasverbrauch im Tages-und Nachtzyklus unterschiedliche Höhenpegel verursachte. Damit wurden unterschiedliche Volumenansichten erzeugt, mit differenzierten Durchblicksituationen für den Betrachter.

Nimmt man diese variable Funktion des Druckbehälters als Maßstab zur Bemessung für eine Durchschnittshöhe, so würde man im Ergebnis, denke ich,zunächst rein theoretisch unter der jetzt angestrebten Maximalhöhe liegen und würde damit einen interessanten und glaubwürdigeren Bezug zu einer,sich vormals in Bewegung befindlichen Vesorgungseinrichtung ( heute Industriedenkmal ) herstellen.

100% konsequent wäre dann ein hydraulisch betriebener flacherer Baukörper, der sich in der Höhe z.B. nach Sonnenständen nach oben oder nach unten verändert (investorenfeindlich).

Eine hervorragende Idee, finde ich. Wir Anwohner und Schöneberger lieben den Gasometer als Industriedenkmal. Er bekommt seine Gestalt durch die filigrane Gitterstruktur, die wegen ihrer enormen Ausmaße weithin sichtbar ist. Alte Schöneberger wissen, dass der Gasometer immer höchstens bis zum 4. Ring nach oben gefahren war im Betrieb. Und das war selten genug. Der Gasometer war also in seinem historischen Zustand (den der Denkmalschutz erhalten müsste) eigentlich immer zu maximal 2/3 hochgefahren und das auch nur über kurze Phasen.

Ein massiver Klotz, wie das der Investor jetzt plant und auf seinen inhaltlich falschen Modellen auch des historischen Gasometers darstellt, war der Gasometer auch zu seinen aktiven Zeiten vor mehr als 20 Jahren nicht.

Erste öffentliche Veranstaltung der BI Gasometer

Heute fand die erste öffentliche Veranstaltung zum Ausbau des ehemaligen GASAG-Geländes zu einem Bürozentrum statt. Etwa 100 Bürgerinnen und Bürger verschafften sich einen ersten Überblick und beschlossen die Bildung einer Bürgerintiative, um die weiteren Planungen kritisch zu begleiten.

Der Bezirksverordnete Ralf Kühne berichtete, dass Gegenstand des bevorstehenden Bebauungsplanverfahrens eine sehr massive Bebauung des ehemaligen Gasag-Geländes ist. Dies soll nach ersten Informationen folgende Merkmale aufweisen:
mindestens 1.000.000 m² Nettogeschossfläche mit Bürobauten

  • vollständige Ausfüllung des Gasometers mit einem massiven Baukörper
  • Baukörper mit einer Höhe von 35 – 65 Meter Höhe entlang der gesamten S-Bahn Trasse. Das Volumen der geplanten Baukörper ist vergleichbar dem sandsteinfarbenen Gebäuderiegel vom Potsdamer Platz bis zum Schöneberger Ufer
  • auf dem stark verschatteten und vollständig mit Altlasten verseuchten Zipfel im Norden des Geländes soll eine kleine Grün- und Freizeitfläche entstehen (“Nordspitze”)
  • um diese ehrgeizigen Pläne verwirklichen zu können, ist die Aufstellung eines Bebauungsplans erforderlich
  • der Bebauungsplan soll so schnell wie möglich verabschiedet werden, damit möglich bereits im Winter 2008/2009 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann

Die Anfänge: Gasag Gelände soll bebaut werden

Wie die Welt meldet haben sich wieder neue Investoren für das ehemalige Gasag-Gelände mit dem weithin sichtbaren Schöneberger Gasometer gefunden.

Neu ist die Planung nicht. Schon zu meinen Zeiten als Bezirksverordneter vor etwa 10 Jahren gab es Pläne der Gasag selbst, den Gasspeicher von innen bis zu etwa 2/3 Höhe mit Büros auszubauen. Die Planungen wurden wegen fehlender Rentabilität wieder fallen gelassen.