Ergebnisse der frühzeitigen Bürgerbeteiligung

Erkennbar unter großem Zeitdruck und gerade noch rechtzeitig zur letzten Sitzung des Stadtplanungsausschusses der BVV Tempelschöneberg vor der Sommerpause am 09.07.2008 um 17.00 Uhr (Rathaus Schöneberg Saal 195) hat das vom Projektentwickler beauftragte und bezahlte Stadtplanungsbüro die mehr als 200 Einwendungen und Anregungen der betroffenen Bürger und Anwohner sowie die Stellungnahmen von etwa 50 beteiligten Behörden in Tabellenform auf etwa 160 Seiten zusammengefasst und der BVV zur Verfügung gestellt.

Zur Vorbereitung auf die kommenden Diskussionen (wenn der meist entschieden rasante Baustadtrat diese überhaupt noch ermöglicht) veröffentlichen wir die Abwägungsergebniss auf unsere Informationsseite.

Nach dem ersten Eindruck der BI Gasometer werden zwar sämtliche möglichen und unmöglichen Einwendungen vollständig aufgelistet. Jedoch ist die Abwägung selbst nach unserer Meinung faktenfrei und sehr einseitig ausgefallen – an den meisten relevanten Stellen wird darauf verwiesen, dass fachliche Stellungnahmen zu den kritischen Punkten Umwelt, Altlasten, Verkehr, Verschatttung nicht vorliegen. Was in jedem Falle nachzuholen wäre.

Von wegen „Landmark“, von wegen massiv!

Der Gasometer 1964 auf einem historischen Pressefoto

Der Projektentwickler Müller und seine Texter erfinden ja gern die Wirklichkeit neu, wie wir spätestens seit dem Preisrätsel der BI Gasometer wissen, wo wir in der inhaltlich richtigen Zusammenfassung einer halbstündigen Präsentation Müllers zum Projekt Gasometer mehr als 10 Tatsachenverdrehungen, dreiste Lügen und Halbwahrheiten fanden.

Eine davon war, der Gasometer werde mehr als 65 Meter hoch „transparent“ ausgebaut. Was ebenso Unfug sein dürfte wie die schlanke Behauptung, der solchermaßen ausgebaute Gasometer würde ein „Landmark“ darstellen. Erstens ist ein mit Beton und Glas ausgebauter Gasometer kein „Landmark“ mehr, sondern ein völlig beliebiges, etwas unförmiges Gebäude. Zweitens zeigt das historische Foto von Bauarbeiten am Autobahnkreuz Sachsendamm, dass der Gasometer im Regelbetrieb von weitem kaum über die Baumwipfel hinaus gefüllt war, also bis zum 3. oder 4. Ring; der dritte Ring markiert etwa die Höhe normaler Berliner Altbauten. Drittens zeigt das Foto sehr deutlich, dass mit Hilfe der vom Projektentwickler entworfenen Hochhäuser am Rande des Geländes (Höhe von 65 – 70 Meter) der Gasometer aus der Ferne überhaupt nicht mehr sichtbar wäre. Von Süden verdeckt nach dem städtebaulichen Entwurf des PE ein Hotelneubau mit ca. 70 Metern Höhe die Sicht. Von Westen schirmt ein über 60 Meter hoher Hochhausriegel a‘ la Sozialpalast die Sicht ab und zu sehen ist vom „Landmark“ dann überhaupt nichts mehr. Das hat unsere Grafikabteilung aus der Cheruskerstraße bereits recht eindrucksvoll dargestellt.

200 Einwendungen verschiedener Anwohner

Wie wir auf dem Aktiventreffen der BI Gasometer am 03.04.2008 erfahren konnten, sind rund 120 200 zum Teil sehr ausführliche Stellungnahmen und Einwendungen von Anwohnern und anderen Interessierten beim Bezirksamt eingegangen. Neben den ausführlich dargestellten Kritikpunkten und Bedenken zu Details der Planung wurde vor allem Kritik geübt an der Art und Weise, wie das Bezirksamt hier eine pauschale Planung des Projektentwicklers ungeprüft übernimmt und durch fehlerhafte und unvollständige Information der Betroffenen versucht, die Bürger vom Planungsprozess auszuschließen.

Einige Einwände sind auf unserer Website im Wortlaut dokumentiert. Sie werden erstmalig im Planungsausschuss der BVV Tempelhof-Schöneberg am 09.04.2008 von den Bezirkspolitikern offiziell zur Kenntnis genommen.

Einwände der Anwohner

Die vorzeitige Bürgerbeteiligung ist vorbei. Obwohl das Bezirksamt sich bemüht hatte, die für eine offene Planung so wichtige Phase der Ideen- und Kritiksammlung möglichst kurz zu halten (mehr als zwei Wochen der Frist lagen in den Osterferien) gaben nach Schätzung der BI Gasometer 50 – 100 Bürgerinnen und Bürger Stellungnahmen zur Planung des Bezirksamts ab.

Am letzten Tag der Abgabefrist, dem 25.03.2008 war im Rathaus Schöneberg richtig Betrieb. Die uns vorliegenden Einwendungen haben wir dokumentiert und eröffnen damit die inhaltliche Diskussion.