Denkmalschändung und Druckgebläse

Berlin: Einschnitt (Loch)

Was hier so faszinierend glitzert, ist nur ein Loch im Wasserbehälter des Schöneberger Gasometers. Immer neue Nutzungen im Gasometer führen zu ständigen Eingriffen und keinem denkmalgerechten Umgang mit dem Industriedenkmal. Es wurden große Löcher in den Wasserbehälter an der östlichen Seite des Gasometers geschnitten, um Installationen und ein Druckluftgebläse anzudocken. Dies ist kein schöner Anblick.

Vor allem aber sieht der Gasometer durch diese lieblosen und in „Hau-Ruck-Manier“ durchgeführten Umbauaktionen immer mehr aus wie der Hinterhof eines billigen Rummelplatzes. Was er in gewisser Weise auch geworden ist, denn ein schlüssiges und unter dem Gesichtspunkt der Denkmalpflege befriedigendes Konzept für eine Nutzung des Wasserbehälters ist bis heute nicht bekannt. Die aktuellen Änderungen scheinen auf die neue Nutzung als Fernsehstudio zurückzuführen zu sein.

Statt den Wasserbehälter zu einem interessanten Veranstaltungsort umzubauen (und zwar dauerhaft und unter Beachtung des Denkmalschutzes) haben die Betreiber dort kürzlich ein großes Gebläse installiert. Es bläst Tag und Nacht Luft in das neue Kuppeldach über dem Wasserbehälter und nervt die Parknutzer und die Anwohner in den benachbarten Häusern. Soweit dies erkennbar ist, sollen über die 6 Löcher an der Ostseite offenbar auch eine neue Heizanlage angeschlossen werden, um den provisorischen Veranstaltungsort im Gasometer mit Wärme zu versorgen. Nach den Behauptungen der Firma EUREF soll die Versorgung des Standortes „CO-2 neutral“ erfolgen – vermutlich durch den Kauf von Emissions-Zertifikaten, mit denen sich Fluglinien und andere große Energieverbraucher (bei einem Energieverbrauch von mehr als 20 MWh ist das zwingend) für die eigene CO2-Produktion entlasten.

Im Stile der 80er Jahre wird das neue Dach über dem Wasserbehälter inzwischen durch eine aufblasbare Konstruktion gebildet (wie die gefürchteten Traglufthallen), die in sich zusammen fallen würde, wenn sie nicht regelmäßig mit Druckluft versorgt wird. Dies ist mit einem ständigen Energieverbrauch (derzeit Ölgebläse) verbunden.

Der Bezirk mit seinem willfährigen Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) tut nichts, um der Verschandelung des ehemaligen Gaswerks Schöneberg Einhalt zu gebieten. In der Vergangenheit wurden eigenmächtige Veränderungen am denkmalgeschützten Gasometer nachträglich durchgewunken. Krömer ist sinnigerweise nicht nur für die großzügige Ausweisung eines Kerngebiets auf dem Gelände, sondern zugleich für die Beachtung des Landesdenkmalgesetzes zuständig.

Containerdorf vor dem Retortenhaus

Inzwischen hat der Eigentümer das Denkmalensemble „Gaswerk Schöneberg“ in ein Containerdorf mit Baustelle verwandelt. An die Stelle eines verantwortungsvollen Umgangs mit dem Industriedenkmal tritt ein jahrmarktsähnlicher Zirkus mit Aufblaszelt im Gasometer und Provisorien aller Art. Es ist eine Schande, wenn das von Alfred Messel entworfene Retortenhaus des Gaswerks mit grünen Containern zugestellt wird.

Mit etwas gutem Willen zum Denkmalschutz (und bei Einsatz angemessener finanzieller Mittel) wäre es gar nicht so schwer, den eindrucksvollen Gasometer denkmalgerecht zu erhalten. In Oberhausen beispielsweise ist dies gut gelungen. Der dort aufwändig restaurierte Gasometer ist begehrter Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Dort kann man auch besichtigen, wie die notwendige Versorgung des Innenraums ohne technische Einbußen denkmalgerecht erfolgen kann. Vergleichen Sie selbst:

 

Über den Autor

azche24
Ich wohne mit meiner Familie direkt vor dem Gasometer auf der roten Insel in Schöneberg. Und mag dieses Industriedenkmal und Wahrzeichen seit Jahren.