Zugebaut bis 111 m über NHN?

Ansicht des Gasometer Schöneberg Anfang September 2020

Es geht rund am Gasometer Schöneberg – so schön filigran wie auf unserem Bild wird er nicht mehr aussehen, wenn die Pläne von Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Grüne) umgesetzt werden. Doch vor der Empörung kommen die Fakten – was ist überhaupt Stand der Dinge?

Die Fakten:

Der ursprüngliche Bebauungsplan 7-29 enthält eine textliche Festsetzung zur Oberkante der möglichen Bebauung im Gasometer: 98,5 m über NHN (Null) und eine Geschossfläche von 30.800 m².

Dieser Bebauungsplan ist obsolet, weil die verkehrliche Erschließung u.a. durch die mit dem Bezirk vereinbarte „Planstraße“ vom Sachsendamm nicht mehr gesichert ist. Der Vorhabenträger hat (obwohl dazu vertraglich verpflichtet), diese Straße einfach nicht gebaut.

Es existiert jedenfalls ein Gutachten zur verkehrlichen Erschließung, nach denen eine Erschließung des gesamten Plangebiets am Gasometer auch mit einer Geschossfläche von 135.000 m² allein durch die Torgauer Straße (vom Sachsendamm her) möglich sein soll.

Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung Jörn Oltmann (Grüne) möchte erklärtermaßen den obsoleten Bebauungsplan „finalisieren“ und neu mit folgenden Änderungen beschließen:

  1. Die Flächen der so genannten „Planstraße“ sollen aus dem räumlichen Geltungsbereich herausgenommen werden.
  2. Die insgesamt auf dem Plangebiet zulässige Geschossfläche soll von bisher 163.800 m² auf 135.000 m² reduziert werden.
  3. Die im Führungsgerüst des Gasometers Schöneberg zulässige Gebäudehöhe soll neu und höher festgelegt werden. Bebauung bis zu Höhe des vorletzten Ringes (Traufhöhe des Hauptbaukörpers 107 m über HNH) und darüber ein Staffelgeschoss „mit einer sehr flachen Kuppel“ (111 m über NHN, Scheitelpunkt der Kuppel 113 m über NHN) – damit wäre das Führungsgerüst des Gasometers faktisch bis zum letzten Ring ausgebaut.
  4. Die höhere bauliche Auslastung des Gasometers bedeutet dort ca. 35.000 m² Bruttofläche statt vorher 30.800 m². Die Höhe der Bebauung steigt um rund 10 Meter; dies entspricht etwa der halben Höhe eines typischen Berliner Altbaus.
  5. Eine (völlig unverbindliche-) Äußerung der Euref/Reinhard Müller zu den Vorteilen für den Bezirk aus diesem Vorhaben ging dahin, dass die notwendige Erneuerung der Torgauer Straße von dort übernommen wird (baulich und möglicherweise kostenmäßig).
  6. Aber:
    1. Hier ist die Faktenlage so, dass die Ertüchtigung (Asphaltierung, Straßenentwässerung) der Torgauer Straße in diesem Bereich bereits fertig finanziert und projektiert ist. Sie scheitert bisher daran, dass Euref die dafür notwendigen Tiefbau- und Straßenarbeiten gegenüber dem Bezirk verweigert unter Hinweis auf die eigenen Bauarbeiten und den Fahrzeugverkehr auf das eigene Gelände.
    2. Bei einer Ertüchtigung der Torgauer Straße würde eine Entwässerung neu gebaut; u.a. dafür könnte der Bezirk Erschließungsbeiträge von Euref erheben.

Der Tesla Bluff

Am Gasometer Schöneberg wird oft und gerne die Pressetrommel angeworfen, werden Meldungen produziert, mit denen man es in die lokale Presse schafft und dabei werden auch gern mal Geschichten erzählt, die mit der Wirklichkeit wenig oder nichts zu tun haben. So geschehen im Sommer 2020 Mitte Juli, als nicht ganz zufällig und mit einem kleinen Medienrummel die Worte “Tesla” und “Gasometer” durch die Berliner Presse geisterten. Das Ganze endete damit, dass der Tagesspiegel die Gerüchteküche mit einem Bericht beendete, der mit “Der große Bluff?” überschrieben war. Ein Ausrufezeichen wäre wohl eher angemessen gewesen.

Die Berliner Presse im Sommerloch 2020

Die Chronik:

Am 13. Juli 2020 berichtet die “B.Z.” unter der Überschrift “Der erste Euro-Tesla soll aus Berlin kommen” unter Berufung auf den “Tagesspiegel”, der Tesla Konzern wolle ein “Designzentrum” in Berlin einrichten. Und zwar möglicherweise im Schöneberger Gasometer. Der soll (das erfährt man in diesem Zusammenhang aus anderen Veröffentlichungen eher beiläufig) möglichst bis zum letzten Ring mit Büroflächen vollgebaut werden.

Am 14.07.2020 schreibt der “Tagesspiegel” unter dem Titel “Tesla in Berlin”:

Nach früheren Tagesspiegel-Informationen will Tesla am Euref-Campus in Schöneberg ein Design- und Entwicklungszentrum eröffnen.

Berlin und vor allem die Grünen in Tempelhof-Schöneberg verfallen in einen Zustand der kollektiven Hyperventilation. Emails und Nachrichten werden ausgetauscht. Man erinnert sich: Da gibt es ja einen grünen Stadtrat für Stadtentwicklung und der Gasometer ist noch nicht ausgebaut.

Am 17.07.2020 legt der Tagesspiegel nach:

Denkmalschutz oder Tesla? Der Gasometer auf dem Euref soll fast komplett ausgebaut werden – für 2000 Tesla-Mitarbeiter

Interviewt wird dazu Reinhard Müller (Euref), der seine Vorstellungen zum Besten gibt. Von einer vollständigen Bebauung des Gasometers mit 35.000 m² Bürofläche.

so sind Müller und die Tesla-Leute angeblich übereingekommen

Woher der Tagesspiegel diese superheißen Insider-Informationen haben will, bleibt unbekannt. Nur Reinhard Müller darf über mehrere Spalten seine Vorstellungen von 35.000 m² Bürofläche im Gasometer bewerben.

Am 22.07.2020 legt der “Tagesspiegel” unter der Überschrift “Wie soll der Gasometer aussehen?” nach. Berichtet eine Spalte über die kommende Neuauflage des Bebauungsplan-Verfahrens 7-29 und einen Zeitplan, wonach dieses “Anfang des Frühjahrs” (2021) abgeschlossen sein soll.

Ich bin im Urlaub und wundere mich. Denn es ist (insbesondere bei amerikanischen Konzernen wie Tesla) üblich, Anmietungen vom Reißbrett (also noch in einem frühen Stadium der Planung) nicht nur geheim zu halten, sondern auch von Verhandlungspartnern vorab eine sogenannte “Non Disclosure Agreement” (NDA) – also eine strafbewehrte Geheimhaltungsvereinbarung – unterzeichnen zu lassen. So war es wohl auch auch hier:

Am 24.07.2020 berichtet der Tagesspiegel unter dem Titel “Der große Bluff?”, rund um den Gasometer sei Verwirrung entstanden. Aus Kreisen des Euref-Campus und der Politik sei in den vergangenen Wochen die Information verbreitet worden, dass Tesla in den ausgebauten Gasometer ziehen will. Und zwar zum 01.07.2023 mit 2000 Arbeitsplätzen auf 35.000 m² neu geschaffener Bürofläche. Nun sei aber in Konzernkreisen zu hören, man habe kein Interesse am Gasometer und werde definitiv nicht einziehen. Und keiner der Beteiligten äußere sich offiziell.

Damit räumte der Tagesspiegel indirekt ein, ungeprüften oder nicht überprüfbaren Gerüchten auf den Leim gegangen zu sein und darüber berichtet zu haben. Wiederholt dann jedoch noch einmal die nach mehreren Vertragsbrüchen der Euref und Reinhard Müllers verworrene Geschichte der Planungen um das Kerngebiet am Gasometer. Und konstatiert

Der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg steht an der Seite Müllers und plädiert für die Bebauung des 78 m hohen Gasometers bis auf das letzte Feld.

“Der Tagesspiegel” vom 24.07.2020

Damit wird, was als gezielte Indiskretion zur Verbesserung der eigenen Pressearbeit begonnen haben mag, zum Skandal. Aus der Tesla-Ente wird der Oltmann-Fail; die Empörung in meiner Nachbarschaft auf der Roten Insel ist groß.

Wird der Gasometer ausgebaut?

So wie in unserer Fotomontage könnte es aussehen, wenn im Gasometer gebaut wird:

So könnte es aussehen: Fotomontage Wolfgang Leonhardt

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Projektentwickler Reinhard Müller (Euref) angeblich bereits im Frühjahr 2020 einen Bauantrag gestellt, der den vollständigen, jedenfalls möglichst umfassenden Ausbau des Gasometer Schöneberg mit einem Bürogebäude vorsieht. Tatsächlich wurde in der 35. Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung (bei erheblichen Zugangsbeschränkungen und damit praktisch halb öffentlich wegen Corona) unter dem Tagesordnungspunkt 7 ein neuer Bebauungsplanentwurf für das sogenannte Euref-Gelände am Schöneberger Gasometer vorgestellt durch den Bezirksstadtrat und unter den beiden folgenden Punkten eine Präsentation zum Stand der Verkehrsplanung zur Erschließung des Geländes (diese ist weiterhin als sehr problematisch einzustufen); danach erfolgte eine Präsentation zur Bebauung des Euref-Geländes durch den Bauherren. Unterlagen hierzu wie etwa der Bebauungsplanentwurf selbst, das durch die Verwaltung eingeholte Verkehrsgutachten oder die Präsentation der neuen Pläne finden sich auf der Webseite des Bezirksamts nicht. Die Sitzung fand wegen der Zugangsbeschränkungen faktisch unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Erst durch diverse – zum Teil widersprüchliche und wirre – Presseveröffentlichungen erfuhren wir während der Sommerpause seit Anfang Juli 2020, was Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Grüne) und Müllers Mannen am Gasometer Schöneberg vorhaben:

  • Euref will den Gasometer ausbauen – möglichst bis zum letzten Ring und dadurch 35.000 m² Bürofläche an dieser Stelle neu bauen – “ich werde es nicht machen, wenn es nicht so kommt, wie ich es möchte” lässt sich Reinhard Müller im Tagesspiegel vom 17.07.2020 zitieren.
  • dabei ist nicht klar, warum diese 35.000 m² unbedingt innerhalb des Gasometers gebaut werden müssen; soweit bekannt, will Euref dafür ein bereits geplantes anderes Gebäude auf dem Grundstück “einsparen” und setzt auf maximale Sichtbarkeit und maximale Veränderung des Gasometers. Aber dies sind momentan noch nicht bestätigte Informationen – hier wird das Bezirksamt noch einiges zu erläutern haben
  • Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Grüne) findet das im Prinzip gut, will aber nur bis zum vorletzten Ring bauen lassen. Dies hält er für einen großartigen Kompromiss und wird vom Tagesspiegel zitiert „Der Kiez wird es Ihnen danken und die Nachbarschaft auch“.
  • auf Nachfragen reagiert Oltmann unwirsch – er möchte die Sache offenbar möglichst schnell und geräuschlos über die Bühne bringen.
  • die Planstraße, seinerzeit Bedingung für die den inzwischen gescheiterten Bebauungsplan 7-29, ist obsolet, darüber sind sich jedenfalls Bezirk und Euref einig; der Autoverkehr habe nachgelassen, die meisten der Beschäftigten und Besucher auf dem Gelände kämen per Bahn, Bus und zu Fuß
  • allerdings beobachten meine Nachbarn und ich auf der Roten Insel schon seit Jahren intensiven Fahrzeugverkehr zur Parkplatzsuche mit Endziel Euref-Gelände. Große Limousinen fahren jeden Morgen zahlreich in die engen Straßen im Kiez ein, suchen nach Parkplätzen und entlassen danach ihre Besitzer zu Fuß Richtung Euref-Gelände. Hier will man offenbar Parkgebühren sparen. Das ist aber wohl nicht der “Fußverkehr”, von dem Bezirksamt und Euref sprechen.
  • Es gibt noch Diskussionen über die Gestaltung der Nordspitze – diese hatten Euref/Müller im Zuge eines fragwürdigen Tauschgeschäfts um 3500 m² zu Lasten des Bezirks verkleinert und mit öffentlichen Zuschüssen wegen der Altlasten saniert und hergerichtet. Dafür gab es insgesamt einen 7stelligen Zuschuss von Bezirk und GASAG. Die Vorschüsse wurden seinerzeit wegen der für Euref äußerst vorteilhaften Vertragsgestaltung nicht abgerechnet.1 Dieses Verfahren wurde damals durch den Landesrechnungshof kritisiert. Heute scheitert die von Euref gewünschte “schönere” Gestaltung der Freiflächen daran, dass seinerzeit statt Mutterboden einfacher Bausand aufgeschüttet wurde. Regenwasser oder künstliche Bewässerung versickern dadurch in kürzester Zeit. Dies hat die hierfür zuständige Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) mit ihrem Amt der anfragenden SPD Fraktion bei einer Begehung des Geländes sogar demonstrieren können – Bewässerung zwecklos.

Es regt sich also eine unheilvolle Allianz vor allem aus SPD, Grünen, CDU, AfD und damit eine deutliche Mehrheit der BVV für einen fast vollständigen Ausbau des Gasometers – in der einen oder anderen Form.

Angeheizt von gezielten Indiskretionen und Presseveröffentlichungen soll der 2009 beschlossene Bebauungsplan 7-29 in veränderter Form möglichst schnell auf den Weg gebracht und noch vor den nächsten Abgeordnetenhauswahlen verabschiedet werden. Doch es regt sich Widerstand, sowohl von Seiten der Denkmalpflege, also auch in unserem Kiez – auf der Roten Insel – und auch innerhalb der Grünen – dazu später mehr.

Grafik: Wolfgang Leonhardt

  1. siehe den Report Nordspitze aus 2009, den wir verlinkt haben 

Hausieren wg. Gasometer

Im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg grinsen sie vermutlich schon, wenn Reinhard Müller, der schon betagte Projektentwickler am Schöneberger Gasometer, mal wieder selbst oder durch einen seiner Emissäre wie den um Visionen nie verlegenen Prof. Andreas Knie geldwerte Geschenke vom Bezirk und dem Land Berlin einfordern lässt. Denn Müller hat ein Problem: Er möchte möglichst kein Geld ausgeben für die Planstraße vom Sachsendamm zu seinem Baugebiet, zu deren Bau er sich im Vorfeld seiner gewaltigen Vorhaben auf dem großen Gelände am Gasometer vertraglich verpflichtet hatte.  Eine ausreichende “verkehrliche Erschließung” des Grundstücks ist immerhin die Voraussetzung dafür, dass Müller mit seinen Firmen so richtig massiv bauen kann. So steht es in den Verträgen Müllers mit dem Land Berlin, an die er sich heute nicht mehr gebunden fühlt. Wozu auch, denn eine solche Straße zur ausreichenden Erschließung des Geländes kostet ja Geld.

Zwar hatte Müller mit Erfolg Subventionen vom Land Berlin eingeworben. Die bereits bewilligten Mittel von mehr als 2 Millionen Euro ließ er jedoch verfallen. Denn es war ihm nicht genug. Nachdem die Kosten für die vertraglich vorgesehene Erschließung unter den Bahntrassen hindurch auf rätselhafte Weise immer mehr gestiegen waren (sie sollten zuletzt jedenfalls mehr als 12 Millionen Euro betragen) hatte der stets gern vertragsuntreue Herr Projektentwickler für sich beschlossen, dass Investitionen in die Erschließung seines Baugrundstücks sich für ihn nicht lohnen und darauf verzichtet, für die notwendige Erschließungsstraße auch nur weitere Planungen  vorzulegen. Damit ist aus Sicht des Bezirks der niemals in Kraft getretene Bebauungsplan 7-29, auf dessen Grundlage am Gasometer immer noch so viel gebaut wird, obsolet.

Jedoch ist Müller selten um flotte Sprüche verlegen.

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Bilderklau am Gasometer

Durch Zufall stolpere ich über einen Eintrag des Bundesministeriums für Umwelt und verwandte Angelegenheiten bei Instagram:

Screenshot

Screenshot des BmUB bei Instagram

Das Foto mit der Abendsonne hinter dem Gasometer kommt mir doch bekannt vor. Richtig: Es wurde im Dezember 2008 von einem Nachbarn aufgenommen und der Bürgerinitiative Gasometer zur Verfügung gestellt, um die Schönheit des bis heute nicht denkmalgerecht instand gesetzten Gasometers zu dokumentieren. Das Bild befand sich dann vorübergehend auf einer von mir aus technischen Gründen inzwischen vom Netz genommenen Webseite mit Bildern vom Gasometer und wurde von dort (ohne Quellenangabe und Erlaubnis) kopiert, um sodann unter Verletzung der Urheberrechte durch das Bundesministerium verwendet zu werden. Das Bild ist zwar beschnitten, jedoch ansonsten identisch mit dem in meinem Besitz befindlichen Original, das (sicherheitshalber verkleinert und mit Wasserzeichen) hier zu sehen ist:

das Original (copyright Alexander Ziemann für www.bi-gasometer.de)

das Original (copyright Alexander Ziemann für www.bi-gasometer.de)

 

Rot-Grüner Zoff am Gasometer

Als die von der SPD geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Ende Januar die Baugenehmigung für zwei weitere Häuser am Gasometer erteilte, obwohl es dafür keine gesicherte planungsrechtliche Grundlage (mehr) gibt, kam der Zoff zwischen Grünen und SPD im Bezirk Tempelhof-Schöneberg in dieser Frage offen hervor. Auf die “Jubel-Erklärung” des Sprechers Götz der SPD, der sich im besonders SPD-affinen Organ der Schöneberger Kleinpresse “paperpress” hocherfreut zeigte,2016-02-10_PaperPress525R

reagierten die Grünen mit einer Erklärung ihres Sprechers Jörn Oltmann, aus der wir zitieren:

„Die Baugenehmigung erfolgt, ohne dass absehbar ist, wann der dafür notwendige Bebauungsplan festgesetzt werden kann. Es ist mehr als unverständlich, warum dem Vorhabenträger scheinbar alles genehmigt wird, ohne dass er hierfür selbst die notwendigen Bedingungen erfüllt.“

 

Fester Bestandteil des Bebauungsplans ist eine Erschließungsstraße, zu dessen Bau bzw. Finanzierung sich der Vorhabenträger verpflichtet hat. Dies ist für die Bündnisgrünen im doppelten Sinn problematisch, weil die Verpflichtung vom Vorhabenträger absehbar nicht erfüllt wird und andererseits die Torgauer Straße als Gefährdungspunkt völlig unterschätzt wird.

 

Schon jetzt können sich auf dem schmalen Fußweg kaum zwei Fußgänger gefahrlos begegnen. Einer von beiden muss auf die Straße ausweichen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum dies bei der Frage der ausreichenden Erschließung immer ausgeblendet wird.

 

Zu der Pressemitteilung der SPD, die die Baugenehmigung von Senatsverwaltung für Stadtentwicklung begrüßt hat, kommentiert Oltmann nur kurz: „Es scheint die Aufgabe einzelner Bezirksverordneter der SPD zu sein, bei diesem Bauvorhaben alles zu bejubeln, was dem Vorhabenträger nützt. Leider wird hier nicht mal mehr der Versuch unternommen, die Grundlagen selbst zu hinterfragen. Dieses Niveau ist erschreckend.“

Jörn Oltmann kommt aus Bremen und ist meist sehr zurückhaltend in seiner Wortwahl.

Seine Äußerung im zweiten Absatz der Erklärung formuliert eher zurückhaltend, was meiner Meinung nach schon lange offenkundig ist: Die SPD hat sich von Projektentwickler Reinhard Müller einkaufen lassen mit kleinen Gefälligkeiten und flotten Sprüchen. Kleine Gefälligkeiten wie etwa Spenden für das Lieblingsblättchen der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und Pressetermine für die Bürgermeisterin reichen offenbar aus, um die SPD in Tempelhof-Schöneberg geschmeidig zu machen. Anders ist es nicht zu erklären, dass der Projektentwickler einen Vertrag nach dem anderen bricht, frei nach dem Motto “was kümmert mich das Geschwätz von gestern” und die SPD ihm im Gegenzug immer neue Vorteile verschafft, für die es nach dem Scheitern des Bebauungsplans 7-29 jedenfalls für mich und andere Juristen keine erkennbare Rechtsgrundlage gibt. Da staune ich: So preiswert ist die SPD zu haben.

Alles zu am Gasometer – hocherfreut

“Hocherfreut” zeigen sich die SPD-Fraktion der BVV Tempelhof-Schöneberg und der Hauskolumnist von Projektentwickler Reinhard Müller Ed Koch über die durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz am 22.01.2016 im Widerspruchsverfahren bewilligte Baugenehmigung für zwei weitere Häuser (Häuser 21 und 22)  auf dem Gelände am Schöneberger Gasometer. Was nun erfreulich daran ist, bleibt durchaus unklar. Mit diesen Baugenehmigungen jedenfalls geht es zukünftig noch enger zu am Gasometer, wo bereits jetzt kaum noch ein Sonnenstrahl zwischen den massigen und gesichtslosen Bürohäusern zu sehen ist.

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Der Baugenehmigung im Widerspruchsverfahren vorangegangen sind massive Interventionen des Projektentwicklers auf allen Ebenen der bezirklichen- und Landespolitik. Projektentwickler Müller fühlte sich dabei (wie schon oft zuvor) weder an Vereinbarungen, noch an Verträge gebunden. Die von ihm für eine Planreife seines kleinen Kerngebietes am Gasometer zu errichtende Verbindungsstraße auf das Gelände unter der Bahntrasse hindurch will er nicht mehr bauen, obwohl dafür sogar erhebliche Fördermittel durch das Land Berlin bereit gestellt wurden, die jetzt vermutlich verfallen. Ein Vollzug der angefangenen Planung für das Kerngebiet mit so genannter Planstraße vom Sachsendamm über die Torgauer Straße hinweg erfolgte nicht. Eine für die Erschließung dieses vermutlich am schlechtesten erschlossene “Möchtegern-Kerngebiet” Berlins erforderliche zusätzliche Straßenverbindung wird damit wohl in absehbarer Zeit nicht mehr kommen. Dafür erhält Reinhard Müller -sozusagen im Husarenstreich- erweitertes Baurecht für nunmehr insgesamt 85.000 m² Bruttogeschossfläche.

Eine planungsrechtliche Grundlage gibt es dafür nach Ansicht vieler Juristen nicht mehr. Dem Vernehmen nach waren alle Juristen sowohl im Bezirksamt, als auch in der Senatsverwaltung übereinstimmend der Ansicht, dass der Bebauungsplan 7-29 als Grundlage für weitere Genehmigungen auf Grundlage einer vorgezogenen Planreife hinfällig geworden ist, da das Verfahren durch den Vorhabenträger (die Firma von Reinhard Müller) nicht weiter betrieben wird. Grund genug für das Bezirksamt, den weiteren Bauantrag abzulehnen. Das Baurecht und Planungsrecht zu beugen, wie es die SPD-geführte Senatsverwaltung wohl getan hat, steht dem Bezirksamt nicht an. Was auch der Grund dafür gewesen sein soll, dass zunächst in der Senatsverwaltung niemand die Baugenehmigung unterschreiben bzw. den Widerspruch bescheiden wollte. Vielmehr wurde vom Bezirksamt verlangt, die Baugenehmigung selbst zu erteilen – da wollte sich offenbar bei Senatens niemand die Finger schmutzig machen.

Nur die SPD macht schon jetzt auf Wahlkampfrhetorik:

Das Agieren des Stadtentwicklungsamtes gegenüber dem Investor Reinhard Müller ist schwer zu ertragen, schließlich handelt es sich um die derzeit wichtigste Ansiedlung im Bezirk.

tönt der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg Christoph Götz. Und hofft vermutlich (wie alle anderen Beteiligten bei Senat, SPD und Müllers Mannen), dass kein Anwohner gegen diese von oben durchgedrückte Baugenehmigung klagt.

Weiteres in Kürze.

Sudeln mit Wolfgang Koch

WP_20150926_10_45_16_ProImmer wenn es unrund läuft am Schöneberger Gasometer muss Wolfgang “Ed”1 Koch ran und in dem “Organ der Schöneberger Kleinpresse”2 paperpress launige Beiträge für die exzessive Bebauung des Geländes am Schöneberger Gasometer oder wahlweise gegen die politische Konkurrenz schreiben. In der immerhin mit Nr. 521 Q gekennzeichneten Ausgabe vom 19.09.2015 geht es um die berufliche Tätigkeit von Jörn Oltmann (Grüne). Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Tempelhof-Schöneberger BVV ist im bürgerlichen Beruf Geschäftsführer einer GmbH, die in Treptow-Köpenick Gewerbeimmobilien entwickelt. Das ist ja nicht verboten. Das weiß auch Wolfgang Koch und besinnt sich daher (wie der stilistisch und namentlich ähnliche Fernsehjournalist Karl Eduard von Schnitzler, den Menschen meines Alters aus den Zeiten des Kalten Krieges noch als “Sudel-Ede” kennen), auf eine Technik der Desinformation, die jedenfalls in meiner Familie als Schludern bezeichnet wird.

Zuerst zitiert er unter dem Foto Oltmanns eine halbe Spalte aus dessen Vermietungsprospekt um dann nach dem für derartige Beiträge sehr charakteristischen Einleitungssatz

ein Schelm, wer Böses dabei denkt

zu schludern und falsche Behauptungen aufzustellen. Oltmann solle sich aus der

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  1. im Personalausweis eingetragener Spitzname 

  2. ein Bezirksverordneter über das von Koch betreute Blättchen 

Gasometer 1980

Könnt Ihr Euch noch erinnern, wie es damals ausgesehen hat? Ein Freund1 lebte in den 80er Jahren in der Nähe und machte zwei schöne Aufnahmen vom Gasometer und den Altbauten der Leuthener Straße.

1980-01_Gasometer

1980-02_Gasometer


  1. Fotos: Thomas Henschke 

Kein Wohnen im Gasometer

2008-12-28_GasometerSchöner Wohnen im Gasometer titelte die Berliner Morgenpost am 18.03.2015 und beweist damit, dass Projektentwickler Reinhard Müller, der Macher am Schöneberger Gasometer, immer wieder für realitätsferne Ankündigungen gut ist. Von der Zukunftsvision zweier Architekturstudenten aus Braunschweig ist da die Rede, wonach 600 Menschen in knapp 300 Wohnungen in der stählernen Rotunde wohnen sollen. Und Müllers Chefarchitekt Johannes Tücks sei zu dem Ergebnis gekommen,

dass die Rotunde durchaus als Wohnort geeignet ist-allerdings nicht in den von den Studenten avisierten Dimensionen.

„Trotzdem bliebe so Platz für 100-120 Wohnungen“,

wird Reinhard Müller von der Morgenpost zitiert.

Mit der planungsrechtlichen Realität am Schöneberger Gasometer hat all das wenig zu tun. Vielmehr sieht es so aus, als habe Reinhard Mueller einmal mehr auf die falsche Nutzung gesetzt und versuche nun, dies mit waghalsigen Aktionen und vollmundigen Ankündigungen zu ändern.

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