Der Tesla Bluff

Am Gasometer Schöneberg wird oft und gerne die Pressetrommel angeworfen, werden Meldungen produziert, mit denen man es in die lokale Presse schafft und dabei werden auch gern mal Geschichten erzählt, die mit der Wirklichkeit wenig oder nichts zu tun haben. So geschehen im Sommer 2020 Mitte Juli, als nicht ganz zufällig und mit einem kleinen Medienrummel die Worte “Tesla” und “Gasometer” durch die Berliner Presse geisterten. Das Ganze endete damit, dass der Tagesspiegel die Gerüchteküche mit einem Bericht beendete, der mit “Der große Bluff?” überschrieben war. Ein Ausrufezeichen wäre wohl eher angemessen gewesen.

Die Berliner Presse im Sommerloch 2020

Die Chronik:

Am 13. Juli 2020 berichtet die “B.Z.” unter der Überschrift “Der erste Euro-Tesla soll aus Berlin kommen” unter Berufung auf den “Tagesspiegel”, der Tesla Konzern wolle ein “Designzentrum” in Berlin einrichten. Und zwar möglicherweise im Schöneberger Gasometer. Der soll (das erfährt man in diesem Zusammenhang aus anderen Veröffentlichungen eher beiläufig) möglichst bis zum letzten Ring mit Büroflächen vollgebaut werden.

Am 14.07.2020 schreibt der “Tagesspiegel” unter dem Titel “Tesla in Berlin”:

Nach früheren Tagesspiegel-Informationen will Tesla am Euref-Campus in Schöneberg ein Design- und Entwicklungszentrum eröffnen.

Berlin und vor allem die Grünen in Tempelhof-Schöneberg verfallen in einen Zustand der kollektiven Hyperventilation. Emails und Nachrichten werden ausgetauscht. Man erinnert sich: Da gibt es ja einen grünen Stadtrat für Stadtentwicklung und der Gasometer ist noch nicht ausgebaut.

Am 17.07.2020 legt der Tagesspiegel nach:

Denkmalschutz oder Tesla? Der Gasometer auf dem Euref soll fast komplett ausgebaut werden – für 2000 Tesla-Mitarbeiter

Interviewt wird dazu Reinhard Müller (Euref), der seine Vorstellungen zum Besten gibt. Von einer vollständigen Bebauung des Gasometers mit 35.000 m² Bürofläche.

so sind Müller und die Tesla-Leute angeblich übereingekommen

Woher der Tagesspiegel diese superheißen Insider-Informationen haben will, bleibt unbekannt. Nur Reinhard Müller darf über mehrere Spalten seine Vorstellungen von 35.000 m² Bürofläche im Gasometer bewerben.

Am 22.07.2020 legt der “Tagesspiegel” unter der Überschrift “Wie soll der Gasometer aussehen?” nach. Berichtet eine Spalte über die kommende Neuauflage des Bebauungsplan-Verfahrens 7-29 und einen Zeitplan, wonach dieses “Anfang des Frühjahrs” (2021) abgeschlossen sein soll.

Ich bin im Urlaub und wundere mich. Denn es ist (insbesondere bei amerikanischen Konzernen wie Tesla) üblich, Anmietungen vom Reißbrett (also noch in einem frühen Stadium der Planung) nicht nur geheim zu halten, sondern auch von Verhandlungspartnern vorab eine sogenannte “Non Disclosure Agreement” (NDA) – also eine strafbewehrte Geheimhaltungsvereinbarung – unterzeichnen zu lassen. So war es wohl auch auch hier:

Am 24.07.2020 berichtet der Tagesspiegel unter dem Titel “Der große Bluff?”, rund um den Gasometer sei Verwirrung entstanden. Aus Kreisen des Euref-Campus und der Politik sei in den vergangenen Wochen die Information verbreitet worden, dass Tesla in den ausgebauten Gasometer ziehen will. Und zwar zum 01.07.2023 mit 2000 Arbeitsplätzen auf 35.000 m² neu geschaffener Bürofläche. Nun sei aber in Konzernkreisen zu hören, man habe kein Interesse am Gasometer und werde definitiv nicht einziehen. Und keiner der Beteiligten äußere sich offiziell.

Damit räumte der Tagesspiegel indirekt ein, ungeprüften oder nicht überprüfbaren Gerüchten auf den Leim gegangen zu sein und darüber berichtet zu haben. Wiederholt dann jedoch noch einmal die nach mehreren Vertragsbrüchen der Euref und Reinhard Müllers verworrene Geschichte der Planungen um das Kerngebiet am Gasometer. Und konstatiert

Der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg steht an der Seite Müllers und plädiert für die Bebauung des 78 m hohen Gasometers bis auf das letzte Feld.

“Der Tagesspiegel” vom 24.07.2020

Damit wird, was als gezielte Indiskretion zur Verbesserung der eigenen Pressearbeit begonnen haben mag, zum Skandal. Aus der Tesla-Ente wird der Oltmann-Fail; die Empörung in meiner Nachbarschaft auf der Roten Insel ist groß.

Sudeln mit Wolfgang Koch

WP_20150926_10_45_16_ProImmer wenn es unrund läuft am Schöneberger Gasometer muss Wolfgang “Ed”1 Koch ran und in dem “Organ der Schöneberger Kleinpresse”2 paperpress launige Beiträge für die exzessive Bebauung des Geländes am Schöneberger Gasometer oder wahlweise gegen die politische Konkurrenz schreiben. In der immerhin mit Nr. 521 Q gekennzeichneten Ausgabe vom 19.09.2015 geht es um die berufliche Tätigkeit von Jörn Oltmann (Grüne). Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Tempelhof-Schöneberger BVV ist im bürgerlichen Beruf Geschäftsführer einer GmbH, die in Treptow-Köpenick Gewerbeimmobilien entwickelt. Das ist ja nicht verboten. Das weiß auch Wolfgang Koch und besinnt sich daher (wie der stilistisch und namentlich ähnliche Fernsehjournalist Karl Eduard von Schnitzler, den Menschen meines Alters aus den Zeiten des Kalten Krieges noch als “Sudel-Ede” kennen), auf eine Technik der Desinformation, die jedenfalls in meiner Familie als Schludern bezeichnet wird.

Zuerst zitiert er unter dem Foto Oltmanns eine halbe Spalte aus dessen Vermietungsprospekt um dann nach dem für derartige Beiträge sehr charakteristischen Einleitungssatz

ein Schelm, wer Böses dabei denkt

zu schludern und falsche Behauptungen aufzustellen. Oltmann solle sich aus der

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  1. im Personalausweis eingetragener Spitzname 

  2. ein Bezirksverordneter über das von Koch betreute Blättchen 

Leuchtturm oder Missverständnis?

Ein gelungenes Beispiel für eine misslungene Home-Story liefert der Tagesspiegel unter dem rätselhaften Titel “Rote Insel: Neben der Tradition” ab.

Da muss die arme Taxifahrerin als Zeugin dafür herhalten, dass es noch Nachbarschaft auf der Insel gibt (was das wohl mit der DKP zu tun hat).

Der Gasometer wird zum Leuchtturm. Ein Begriff, der durch einige in meinen Augen besonders tumbe Bezirkspolitiker mit ihrem Geschwafel vom “Leuchtturmprojekt” besonders negativ besetzt und für ein Industriedenkmal wie den Gasometer IV völlig unpassend ist.

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Berliner Fernsehen fragt nach

Anfang August gab es einen seltsamen Event auf dem Gasometer-Gelände, nämlich die Einweihung der WM-Kuppel. Dies nahm der RBB zum Anlass, mit einem kurzen, aber sehr anschaulichen Bericht den derzeitigen Stand des Projekts “Energie-Uni” und “Euref-Institut” darzustellen. Bei der Journalistin blieben nach den geführten Interviews Zweifel daran, dass hier mehr passiert als “heiße Luft”. Auch die BI kam zu Wort:

Interessant vor allem das Statement des Vertreters der TU-Berlin. Er will keine

… keine Konkurrenz heranzüchten. Sondern wir hoffen auf ein vergnügliches Miteinander..

Kurz darauf berichtete auch TV-Berlin über diese Vorgänge. Woher der Journalist die Information hatte, dass auf dem Gelände “viele teure Wohnungen” gebaut werden sollen? Von uns nicht!
Pressesprecher Dr. Hofmann von der Euref gab ein eher allgemein gehaltenes Statement ab, während unmittelbar neben seinem Kopf der Rost in dicken Stücken vom Gasometer abblättert. Bezeichnend, wollten doch Müllers Mannen bereits im Mai 2009 mit der Sanierung des Gasometers begonnen haben:

Blankoscheck für den Investor

Der Tagesspiegel berichtet unter dieser Überschrift über den aktuellen Stand der Bemühungen um Wissenschaft auf dem GASAG-Gelände. Sauber recherchiert und unemotional wird dargestellt, warum es an Wissenschaft bisher fehlt.  Und die Vorstellungen unserer BI werden angemessen wiedergegeben:

„Der Bebauungsplan ist ein Blankoscheck für den Investor“, sagt der Stadtplaner Jörn Dargel. Er unterstützt die Bürgerinitiative gegen das Vorhaben. Das Energie-Institut existiere doch nur auf dem Papier, deshalb hätte der Bezirk nach seiner Auffassung das sieben Hektar große Areal besser zum „Sondergebiet“ erklären sollen. Dann müsste der Investor für jeden Neubau erneut eine Genehmigung einholen. So könne die öffentliche Hand die Entwicklung besser steuern – und sich das Risiko Investitionsruinen ersparen, meint Dargel. Stattdessen werde nun mit einem Schlag ein riesiges Areal genehmigt – obwohl in der Nähe am Sachsendamm Büros leer stehen.

Man beachte auch die Darstellung der Stimmungslage von Bezirksstadtrat Krömer

„Es gibt doch kaum noch Widerstände“, sagt Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) gut gelaunt.

und die vielen Anführungszeichen, mit denen der Verfasser des Artikels Schönball Halbwahrheiten und Propaganda kenntlich macht.

Überhaupt läuft es inhaltlich und in der Presse derzeit  bescheiden für die Macher des “Energie-Forums”: Auch die renommierte FAZ wusste in einem Artikel  mit dem schönen Titel Viel Gerede um das Energie-Forum am 27.06.2009 zu berichten, dass der Sprecher der EUREF, nämlich RTL-Kommentator Hofmann (so der Tagesspiegel) “unerwartet heftig” auf Nachfragen nach der Vorgeschichte des Projekts reagiert habe. Was die Autorin der FAZ zu de durchaus treffenden Titelzeile

Gute Idee, schlechte Art

inspirierte. Auch wir hatten im Herbst 2008 über den “Pulverdampf am Gasometer” berichtet. Seriös ist in meinen Augen anders. Und wissenschaftlich erst recht.

Bedenken der Denkmalpflege werden konkreter

Wie die Berliner Zeitung heute meldet, sind die starken Bedenken der Denkmalpflege zum Bauprojekt auf dem Gasometergelände jetzt deutlicher und konkret formuliert worden. Dies war nach der Sitzung des Landesdenkmalrates, wo es dem Vernehmen nach deutliche Worte zum unverantwortlichen Umgang des Projektentwicklers mit den Baudenkmälern auf dem Gelände und dem Gasometer gab, in dieser Form zu erwarten.

Die Kritik deckt sich mit den Einwänden der Anwohner: Die viel zu hoch und auch zu dicht angelegte Bebauung auf dem Gelände und vor allem auch der Ausbau des Gasometers müssen noch einmal grundlegend überarbeitet werden, formuliert die Denkmalpflege. Vorläufiges Fazit: Es wird deutlich niedriger und weniger für Projektenwickler Müller.

Abendschau berichtet über Anwohnerfrust am Gasometer

Am 17.03.2008 berichtet die Berliner Abendschau über die Bedenken der Anwohner des Gasometer-Geländes. Die Höhe des Gasometers, der zur Zeit noch freie Blick vom Cheruskerpark über die Flachbauten am westlichen Ende des Geländes zur Ebersstraße werden eindrucksvoll dokumentiert. Kommentar des zuständigen Bezirksstadtrates Krömer in der Sendung:

  1. Das Projekt ist eine Zierde für den Bezirk Schöneberg.
  2. Eine Verschattung von Wohnhäusern tritt nur für einzelne Häuser an wenigen Tagen des Jahres für wenige Stunden ein.

Da hat sich jemand gut informiert und eine fundierte Meinung.