Luftnummer EUREF – Energieforum und Energie-Uni

Projektentwickler haben entweder schon bei Beginn des Bauplanungsverfahrens, also bevor die kommunalen Entscheidungsträger bearbeitet werden, einen Kunden, der die zu schaffenden Flächen mieten, nutzen oder sogar kaufen will. Oder eben nicht.

Die Firmen aus dem Dunstkreis des Projektentwicklers Müller, ob sie da EUREF heißen oder „Denkmal-Plus Berlin GmbH & Co. KG“ haben sicherlich keine Kunden, für die mehr als 100.000 m² Nutzfläche neu entstehen müssten:

Kein Energieforum, weil es das in Berlin schon längst gibt (und zwar recht erfolgreich und in der Größenordnung XXL). Das Energieforum-Berlin ist wirklich nicht schwer zu finden und hat sicherlich auch noch Platz für einige weitere Unternehmen und Dienstleister aus diesem Bereich.

Und vor allem sieht es nach diversen Presseberichten im Sommerloch, die offenbar vom Noch-Geschäftspartner Klaus Groth des Projektentwicklers Müller initiiert wurden, ganz stark so aus, als würde die sagenumwobene „Energie-Uni“ jedenfalls nicht auf dem Gasag-Gelände entstehen. Gestreut und in der Presse lanciert werden derartige Stories übrigens von dem Imageberater der EUREF, einem etwas verschwörerisch daher kommenden Herrn Stock.

Ob es sich bei diesem „Global Energy Institute“ sogar insgesamt um eine Luftnummer handelt, wird sich zeigen. Jedenfalls hat der Wissenschaftssenator auf eine Kleine Anfrage vom 30.06.2008 zum „EUREF Institute“ mitgeteilt, dass außer einem unverbindlichen Gespräch im Jahr 2007 noch nicht darüber bekannt sei. Insbesondere wurden keine prüfungsfähigen Unterlagen für die notwendige staatliche Anerkennung eingereicht. Und die vollmundigen Ankündigungen auf der Webseite der EUREF mussten auf Druck des Wissenschaftssenators geändert werden. Das passt in das bisherige Bild – Unwahrheiten, Halbwahrheiten und dreiste  Lügen. Die letzte dreiste Lüge: Projektentwickler Müller sagte im Frühjahr 2008 bei einem der sonntäglichen Termine auf dem Gasag-Gelände, es werde „noch in diesem Sommer“ ein „Sommercamp oder eine Sommeruni“ zum Thema Energie auf dem Gelände geben. Fragen wir doch mal nach – gab es?

Ich darf offen meine Meinung sagen? Gut. Es geht bei diesem Projekt nicht um Uni, Energie oder Bildung. Sondern ausschließlich darum, sich von filzhaften Kommunalpolitikern ein sehr sehr wertvolles und völlig unnötiges Baurecht schenken zu lassen, nämlich ein planungsrechtliches Kerngebiet auf einer Industriebrache, die ein gutes Kulturzentrum, Museum, Wohngebiet oder einen sehr schönen Park abgeben würde. Good Night, Good Luck!

Über den Autor

azche24
Ich wohne mit meiner Familie direkt vor dem Gasometer auf der roten Insel in Schöneberg. Und mag dieses Industriedenkmal und Wahrzeichen seit Jahren.

4 Kommentare zu "Luftnummer EUREF – Energieforum und Energie-Uni"

  1. Lisa | 9.09.08 um 10:10 |

    Genauso sehe ich das auch. Und nachdem Herrn Müller aufgrund der Kritik des Rechnungshofes seine Werbestandorte an öffentlichen Denkmalen weggebrochen sind, hat er sich hier, persönlich vom Baustadtrat Krömer, CDU, einen 5-Jahresvertrag für Werbung geben lassen. Hoch lebe die Planwirtschaft!

  2. Es gibt Sätze und Aussagen, die sprechen eigentlich für sich. Wie verwirrt und rüde die verstrittenen Parteien in Sachen „Energie-Uni“ miteinander umgehen und wie inhaltlich flach die bisherige Arbeit sich darstellt, erschließt sich zwanglos aus einer hier auszugsweise zitierten Rundmail des neuen Sprechers der Euref Hofmann:

    Der Pulverdanpf der „Schlacht am Gasometer“ hat sich verzogen, die Abmahnungen sind Vergleichen gewichen und EUREF, vor allem das EUREF Institut kommt in Fahrt. Reinhard Müller und ich haben am vergangenen Freitagabend ausführlich mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier darüber sprechen können; er zeigte sich erleichtert, dass sich die Dinge geklärt haben, und hat uns gegenüber erneut seinen Redebeitrag beim geplanten Gründungsfestakt am 5.11. im Schöneberger Rathaus bekräftigt. Wer von Ihnen die Terminvormerkung hierfür noch nicht bekommen und Interesse an einer Teilnahme hat, möge sich doch bitte den 5. November, 18 Uhr, schon einmal vormerken.

    Ein wenig aus der jüngsten Geschichte – wie kam es zu den Verwirrungen? In SPIEGEL-ONLINE steht ein Artikel („Energie-Hochschule gescheitert“) – auf den ich u.a. folgendermaßen geantwortet habe (und der vom Autorfen Christian Schwägerl daraufhin leicht modifiziert wurde):

    < < Sie schreiben in SPIEGEL-Online: „Das von der Bundesregierung massiv unterstützte Projekt einer privaten Energiehochschule in Berlin ist vorerst gescheitert.“ Dazu erkläre ich als Sprecher des Europäischen Energieforums: Das ist in seiner Allgemeingültigkeit unrichtig. „Gescheitert“ ist nicht das in Gründung befindliche EUREF Institute, sondern der unrechtmäßige Gründungsversuch des sogenannten„Global Energy Institutes Berlin“ durch Dr. Markus Baumanns, Geschäftsführer der ZEIT-Stiftung. Er war ursprünglich vom Europäischen Energieforum via ZEIT-Stiftung und Bucerius Law School beauftragt worden, das EUREF Institute als erste private Energie-Hochschule der Welt zu gründen. Warum er plötzlich abtrünnig wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Er ist inzwischen wegen missbräuchlicher Verwendung geistigen Eigentums, das er im Auftrag und gegen Bezahlung von EUREF erlangt hatte, abgemahnt worden. „Gescheitert“ ist also Baumanns mit seinem betrügerischen Unterfangen, nicht das EUREF Institute. Sie schreiben. „Die Initiatoren des Vorhabens haben sich mit dem Eigentümer des geplanten Standorts am Schöneberger Gasometer über Details des Mietvertrags zerstritten.“ Dazu erkläre ich: Über „Details das Mietvertrags“ konnte es gar keinen Streit geben, denn das Grundstück für das EUREF Institute wird vom Eurpäischen Energieforum kostenlos zur Verfügung gestellt. Baumanns hatte zudem wider besseres Wissen behauptet, das EUREF habe kein geeignetes Grundstück zur Verfügung stellen können - eine dreiste Lüge

    Dreiste Lüge, Außenminister, Diebstahl geistigen Eigentums, Pulverdampf, einstweilige Verfügungen – das sind die Versatzstücke, aus denen jedenfalls in meinen Augen keine kompetente und anspruchsvolle Privat-Uni für Führungskräfte der Energiewirtschaft wird, sondern nur gehässiger Berliner Klüngel. Zumal -soweit jedenfalls mir bekannt- keiner der jetzt noch auf Seiten der EUREF Beteiligten überhaupt Erfahrung im Management von Privatuniversitäten hat. Deutlich wird: Die Kompetenz ist abgewandert und davon. Was bleibt, ist „Pulverdampf“. Und die von Müller mehrfach angekündigte „Sommeruni“ auf dem GASAG Gelände wurde bisher auch nicht gesehen.

  3. Die Europäische Energie Universität als Vehikel für fantasielose Architekten und Stadt(fehl)entwickler. Das hat es schon mal so ähnlich gegeben in Berlin. 1999 sind beinahe 40 Mio DM öffentlicher Mittel an der Spree im Energieforum versenkt worden. Heute ist das „Energieforum“ zu 100% im Privatbesitz der Raiffeisen und Volksbanken übergegangen.Siehe auch http://www.mediaspree-versenken.de vom Solarzentrum zu Mediaspree. Eine Energieuniversität würde nur Sinn machen, wenn diese die Erneuerbaren Energien zum Mittelpunkt von Forschung und Lehre machen würde. Allerdings hat sich bis heute keiner der dort beteiligten Architekten und Spekulanten mit seriösen Planungen oder Umsetzungen von Plusenergiestädten oder von Solararchitektur hervorgetan.

  4. Pieter. S | 2.07.09 um 20:09 |

    Zu den Namen EUREF, Energieforum, Europäische Energie Universität könnte mann einen schönen Brainstorm machen. Was wird gemeint und was für Luft wird verkauft.

    Mann sollte sich keine Ilusionen machen!!

    Zu erwarten sind also Mieter wie Shell, Esso und andere Großkonzerne die sich nur in Verbindung mit Geld für Energie interessieren.

    Die Themen Energie und Wissenschaft rufen unwillkürlich allerart Ökologische und Ideelle Associationen auf. Das hat mit der Wirtschaft der Immobilienbranch nichts zu tun.

    Die Welt der „Grüne“ Immobilien hat nur Kommerzielle Interessen.

    Der Bankenkrach ist unser aktuelle Realität. Nicht vergessen!!

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