6000 Arbeitsplätze – oder was?

arbeitsplätzeEs gibt Aussagen, die sind so schlicht und platt wie falsch und eingängig. Dazu gehört der seit frühesten Tagen vom Projektentwickler gestreute Satz, auf dem Gelände des Bebauungsplans 7-29 würden “5000 Arbeitsplätze entstehen”. Später wurden daraus sogar “6000 Arbeitsplätze”.

Was ist davon zu halten. Werden hier nicht nur Arbeitsplätze verlagert? Ist es nicht so, dass derzeit auf dem Gelände bei der Begatec etwa 200 Menschen bereits beschäftigt sind? Seit wann schafft Bauen Arbeitsplätze, wenn der Bau erstellt ist? Ist es nicht vielmehr so, dass Bauten Arbeitsplätze behausen?

Viele Fragen, auf die wir eventuell durch eine  Bürgerfrage  in der nächsten BVV am 17.06.2009 (Rathaus Schöneberg, 17.00 Uhr) eine Antwort bekommen werden. Die Frage an das Bezirksamt lautet:

Anhand welcher objektiv nachvollziehbaren Berechnungen führt der Bezirksbaustadtrat Krömer in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem B-Plan 7-29 die Zahl von 5.000 Arbeitsplätzen an bzw. in diesem Jahr von 6.000 Arbeitsplätzen?

3 Gedanken zu „6000 Arbeitsplätze – oder was?

  1. Die Antwort auf diese Frage gab Herr Krömer in der Sitzung vom 17.06.2009 (aus dem Gedächtnis wiedergegeben) wie folgt:

    Nach der Arbeitsstättenverordnung und dem technischen Regelwerk wird der Raumbedarf für Arbeitsplätze üblicherweise mit etwa 12 m² je Arbeitsplatz zuzüglich rund 10 m² für die notwendigen Gemeinflächen wie Konferenzräume, Flure, Haustechnik berechnet. Damit ist bei einer geplanten Bürofläche von rund 120.000 m² mit mehr als 6.000 Arbeitsplätzen zu rechnen.

    Das ist eine neue Form der Arbeitsmarktpolitik: Bauen für Arbeit. Wer demnach 20.000.000 Quadratmeter Bürobauten erstellt (vorzugsweise in Barackenform in den östlichen Regionen Brandenburgs) “schafft” damit eine Million Arbeitsplätze oder “lässt eine Million Arbeitsplätze entstehen”. – Ein brilliantes Konzept der Zweckpropaganda.

    Was Herr Krömer und der Projektentwickler in ihren vollmundigen Erklärungen zum Entstehen von Arbeitsplätzen eigentlich sagen wollen ist:

    Wenn hier 120.000 Quadratmeter Büroflächen hingebaut werden, dann können diese Flächen theoretisch etwa 6.000 Arbeitsplätze beherbergen. Die Arbeitsplätze werden im günstigsten Fall (dass nämlich eine Vermietung oder Nutzung überhaupt erfolgt) vermutlich an anderer Stelle abgebaut bzw. an den Standort Schöneberg verlagert. Im ungünstigsten Fall vergrößern die nicht benötigten Büroflächen den Büroleerstand von etwa 1.000.000 Qudratmeter in Berlin und verdunkeln den Schöneberger Himmel.

  2. also wenn du dich richtig erinnerts, was Herr Krömer gesagt hat in der BVV, ich meine bezüglich der Zahlen, dann sollte Herr Krömer noch mal die Schulbank drücken, denn er kann scheinbar weder seinen Kopf noch einen Taschenrechner gebrauchen, also für alle ein mal gratis Nachhilfe: ein Arbeitsplatz wird mit 12m² Fläche angesetzt, als weiteres benötigt man für einen Arbeitsplatz 10m² für Verkehrsflächen und co, das sind zusammen: 12m²+10m²=22m². Es soll 120.000 m²(wo immer auch Herr Krömer nun diese Zahl wiederum her hat) Nutzfläche entstehen. Wenn man nun rechnet: 120.000m²Nutzfläche : 22m²Arbeitsplatzflächenbedarf = 5625 Arbeitsplätze
    Woher nimmt man Herr Krömer denn die restlichen 375 angedachten Arbeitsplätze her? Ich nehme mal an er hat das Energie Institut bereits abgezogen aus der Nutzfläche dieses bringt schließlich Studenten und kaum Arbeitsplätze. Angedacht ist eine Brutto-Geschossfläche von 163.800m², üblicherweise zieht man 25% für die Konstruktionsfläche ab, um die Nutzfläche grob zu schätzen, das sind dann 122.850m². Also bleiben 2.850m² Nutzfläche übrig für das Institut und sonstiges wie höhere Technikbedarf oder Gastro und Hotel, die ebenfalls einen höheren Flächenbedarf im Verhältnis zu Arbeitsplätzen haben (auch wenn ich die Zahlen dazu nicht weiß). Doch wenn man das dann so überschlägt, müssten dann auch noch Flächen in den denkmalgeschützten bestehenden Gebäuden als Büroflächen angedacht sein. Denn 156.600m² Neubaugeschossfläche ergeben eine Nutzfläche von ca.117.450m². Da stimmt was vorne und hinten nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass die Baufelder im B-Plan ja nicht voll kommen ausgenutzt werden müssen. Hast du nicht Lust da noch mal eine Bürgerfrage hinterher zu schieben?
    Und was das Thema Bauen für Arbeit betriff, das hatten wir schon mal in Deutschland und vor allem in Berlin zb zu der Zeit als Germania die Vision war. Man stellte lieber viele Leute ein um die Arbeitslosigkeit zu senken und lies diese dann gerade mal mit Schaufeln die Löcher graben.
    grüße

  3. ein kleiner Nachtrag: Herr Krömer hat sich ja dabei auf ein Verordung oder der gleichen berufen. Welche war das noch?

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