S-Bahn und Park – Saager versucht es wieder

Ups – I did it again! Frei nach diesem Motto veranstaltet das Bezirksamt Tempelschöneberg zur Zeit mal wieder eine frühzeitige Bürgerbeteiligung in den (Schul-)Sommerferien, nämlich zu der südlichen Seite der Torgauer Straße und dem südlichen Zipfel des Cheruskerparks:B-Plan XI-231 b.

Ziel dieses in aller Eile gestrickten Plans ist es, die zur Zeit in privater Hand befindlichen Grundstücke entlang der Torgauer Straße, nämlich überwiegend KFZ-Höker „mit und ohne Hühner“ zum Preis für Grünflächen zu enteignen: Ein Gewerbegebiet (für welches der jetzige Eigentümer sicherlich auch einen entsprechenden Preis gezahlt hat) wird zur Grünfläche erklärt. Und dann macht der Bezirk ein Kaufangebot für Wiesenland zum Preis für Wiesenland.

Dieses Verfahren hat der jetzige Berater des Projektentwicklers und frühere Baustadtrat des Bezirks Uwe Saager, in seiner aktiven Zeit mehrfach praktiziert und damit dem Bezirk manche Aufregung und Schadensersatzforderung beschert. Ich erinnere so eine Pleite vom Heinrich-Lassen Park zwischen Haupt- und Belziger Straße, wo Saager versuchte, mit einer verwegenen Grünflächenplanung dem Eigentümer des einsturzgefährdeten Eckhauses in der Belziger Straße dessen Grundstück zum Grünflächenpreis abzuringen. Das Ergebnis ist bekannt und kann heute in Form eines Seniorenheims mit viel zu geringem Abstand zur Grundstücksgrenze bewundert werden. Das Oberverwaltungsgericht hatte Saagers B-Plan kassiert und der Bezirk sich damit in eine deutlich unterlegene Position begeben. In ähnliche Auseinandersetzungen verhedderte sich Saager zuvor schon am Winterfeldplatz, wo er -ebenfalls mit einer Grünflächenplanung- die „Ruine“ in den Besitz des Bezirks bringen wollte.

Abgesehen von der riskanten Methode bleiben bei dieser Planung zwei Fragen offen:

  1. Wer braucht einen vollständig altlastenverseuchten Grünstreifen von nur 10 bis 15 Metern Breite neben einem Bahndamm, den der Bezirk bei seiner gegenwärtigen Finanzlage weder ankaufen, noch sanieren kann?
  2. Und was sollen die Anwohner (ich zum Beispiel) mit einem ausdrücklich festgeschriebenen Vorbehalt für eine breite S-Bahn Trasse „S-21“ mitten durch den Cheruskerpark in weniger als 20 Meter von den Wohnhäusern der Cheruskerstraße? Mit einer Brücke direkt neben dem Kinderspielplatz (es gibt dort nämlich einen erheblichen Niveauunterschied im Gelände). An einer Stelle, wo seit mehr als 60 Jahren keine S-Bahn mehr gesehen wurde? – Das erinnert mich fatal an die Zementwerk-Rhetorik des Stadtrates Krömer – ist nämlich nicht genehmigungsfähig und wird im Zweifel auch vor Gericht keinen Bestand haben.

Bürger: Wollt Ihr eine S-Bahn durch den Cheruskerpark?

Die Auslegungsfrist läuft ab am 07.08.2008. Einwände und Anregungen werden wie immer per Post, Fax oder Email entgegen genommen.

Über den Autor

azche24
Ich wohne mit meiner Familie direkt vor dem Gasometer auf der roten Insel in Schöneberg. Und mag dieses Industriedenkmal und Wahrzeichen seit Jahren.

3 Kommentare zu "S-Bahn und Park – Saager versucht es wieder"

  1. Holger | 4.08.08 um 19:37 |

    Das interessante an dem Plan für die Torgauer Str. ist doch auch, wen es da trifft wenn die KFZ-Buden weg müssen. Ich vermute jetzt mal, dass da Leute arbeiten, die es sonst eher schwer haben, Arbeit zu finden. Trotz oder vielleicht auch gerade weil das ganze da teilweise auch etwas informell scheint, haben die Leute da erstmal meine Sympathie. Vielleicht sollte man sie einfach mal über die Pläne auklären.

  2. Der Autohändler Herr B. jedenfalls hat es nicht schwer, Arbeit zu finden, sondern betreibt entlang der Torgauer gleich mehrere Autoplätze. Und für die monatliche Miete allein dieses Gewerbetreibenden muss eine alte Frau lange stricken.

  3. Heinz Herbert | 5.08.08 um 10:56 |

    Ich habe den Hinweis von Holger so verstanden, als dass er damit meint, ob „man sich seinen Kiez stricken kann“.
    Wenn Holger es so gemeint hat, als dass er sich kein Urteil darüber anmaßen möchte, wer denn mit welchen Aktivitäten in den Kiez gehört und wer nicht, dann stimme ich ihm zu.
    Ich bin aus guten Gründen gegen die Aktivitäten des Herrn Reinhard Müller, gegen sein Bauvorhaben und sehr kritisch gegenüber seinen Unterstützern aus der Politik und der Verwaltung.

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