Seit gestern wird zurückgebaggert

… und mehr als 1000 Sattelschlepper mit kontaminiertem Boden von der Nordspitze werden über die Schöneberger Insel und die Torgauer Straße das Gasag-Gelände verlassen. Bauschild und Boden sehen so aus:

Bauschild und Aushub vom 08.12.2008

Bauschild und Aushub vom 08.12.2008

Falsch ist übrigens die immer wieder zu lesende Behauptung, hier wäre ein gönnerhafter Investor oder Projektentwickler ursächlich. Die Aktivitäten des Projektentwicklers haben diese Aktivitäten eher verzögert.

Tatsächlich war nach Auskunft des Bezirksverordneten Ralf Kühne (Grüne) bereits im Jahr 2006 unter der damaligen Stadträtin Dr. Elisabeth Ziemer (Grüne) ein Vertrag zwischen Gasag und Bezirk unterschriftsreif, wonach die “Nordspitze” zwischen Gasometer und S-Bahnhof Julius-Leber Brücke von der Gasag kostenfrei (!) auf den Bezirk übertragen werden sollte. Für die Sanierung sollen Mittel aus dem Programm Stadtumbau West bereit gestanden haben. Diese Planung lief den Interessen des Projektentwicklers zuwider, der dort lieber größer bauen wollte. Es kamen Neuwahlen und mit Bernd Krömer ein anderer Stadtrat. Und jetzt bekommt der Bezirk ein wesentlich kleineres Grundstück “Nordspitze” und darf (so die Auskunft des Bezirksamts im letzten Ausschuss für Stadtplanung) noch die Sanierung mit bezahlen.

3 Gedanken zu „Seit gestern wird zurückgebaggert

  1. Hier einige Veröffentlichungen zur Kontaminierung im allgemeinen und besonderen (wann welche Fläche von welchem Geld zum Park gemacht werden soll/te) in rückläufiger Chronologie:

    1. “Berliner Morgenpost” v. 14.11.2008:
    “Um den Park an der Nordspitze anzulegen, stehen 2009 und 2010 nach Auskunft von Schworck 345 000 Euro aus dem Programm des Stadtumbaus West zur Verfügung.”

    2. Landesdenkmalrat am 20.6.2008:
    Im soeben bekannt gewordenen Protokoll der 20. Sitzung des
    Landesdenkmalrates Berlin vom 20.6.2008, wo es um die Planungen zum Gasometer ging, gibt’s merkwürdigerweise einen Termindruck vom Amt:
    “Der Bezirk hat termingebundene Fördergelder zur Dekontaminierung der Nordspitze des Areals in Aussicht gestellt, die als Parkgelände innerhalb der “gated area” [sic!] genutzt werden soll. […] Der durch die in Aussicht gestellte Förderung des Bezirks erzeugte Termindruck darf nicht die Qualität des Projektes in seiner Bedeutung für die Gesamtstadt beeinträchtigen.”
    Download-Link

    3. “Der Tagesspiegel” v. 29.10.2006:
    “Neben der Nachnutzung des Gasometers machen sich jetzt Bezirk und Gasag auch Gedanken über die leer stehende Nordspitze des Gaswerk-Geländes. Hier könnte ein öffentlicher Park entstehen, doch müsste dafür der kontaminierte Boden erst abgetragen werden. Über das Areal soll noch vor der Senatswahl entschieden werden.” (Hans Strömsdörfer, “Gasag prüft Ideen für Schöneberger
    Gelände”)

    4. “Berliner Woche” v. 4.10.2006:
    “Das Grundstück mit dem weithin sichtbaren Wahrzeichen Schönebergs, dem 1995 stillgelegten und unter Denkmalschutz stehenden Gasometer an der Torgauer
    Straße, hat einen neuen Besitzer. Die Nordspitze des Gasag-Geländes gehört jetzt dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Die Gasag hat dem Bezirk das Areal kostenlos überlassen und will sogar noch 700 000 Euro obendrauf
    packen. Damit kann, wie schon länger geplant, der benachbarte Cheruskerpark erheblich vergrößert werden. […] Seit der Umstellung von Stadt- auf Erdgas
    benötigt die Gasag auch das rund 260 000 [sic!] Quadratmeter große Gelände nicht mehr ganz und wollte es loswerden. Etwa zwei Drittel [sic!] sind dem
    Bezirk nun quasi geschenkt worden. Was aus den Altlasten wird, teilen Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD),
    Stadtentwicklungsstadträtin Elisabeth Ziemer (Grüne) und Baustadrat Gerhard Lawrentz (CDU) in einer gemeinsamen Erklärung mit. Eine millionenschwere Totalsanierung zu Lasten der Gasag konnte in den Verhandlungen nicht
    erreicht werden. Daher halten die Politiker nun die vom Unternehmen alternativ angebotene Sicherung der Altlasten durch Abdeckelung – unter Einhaltung der Prüfwerte für eine Grünanlage mit Spielbereich – für einen vertretbaren Weg.”

    5. “Die Welt” v. 21.4.2004:
    “Die Nordspitze des Gasag-Geländes wird nicht bebaut. Sie soll dem Cherusker-Park zugeschlagen werden und Flächen für Freizeitaktivitäten bieten.” (kf, “Investoren interessieren sich für den Standort ‘Südkreuz'”)

  2. Auf dem Gelände sind nicht nur die Bagger, um die verseucht Erde rauszuholen. Inzwischen wurden viele der Pappeln gefällt, die am Rande der Nordspitze standen und damit vollendete Tatsachen geschaffen.

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