Versprechungen eines Projektentwicklers

Kleiner Rückblick – im Wonnemonat Mai 2007 passierten mehrere Dinge zugleich: Am Tempelhofer Hafen präsentierte Projektentwickler Reinhard Müller den verzückten Bezirkspolitikern von Tempelhof-Schöneberg die Umgestaltung eines alten Industriehafens zu einem überflüssigen Einkaufszentrum.

Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD), der dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg später für 630 EUR monatlich einen Maulkorb verpassen ließ, fabulierte bei dieser Gelegenheit davon, das Projekt werde Kaufkraft binden. Natürlich, Herr Bezirksbürgermeister – genau die Kaufkraft, die später den vielen kleinen und mittleren Einzelhändlern entlang des Tempehofer Damms fehlt. Wirtschaftspolitik nach Art des Hauses Tempelhof. Aber dies nur am Rande.

Baugenehmigung für den Tempelhofer Hafen – kewego
Video von tv-berlin

Die Stimmung bei dieser Präsentation war Teilnehmern zufolge sehr ausgelassen und heiter. So heiter, dass Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) später der Presse berichtete, er habe bei dieser Gelegenheit die Frau schätzen gelernt, welche er etwa ein Jahr darauf heiratete.

Unmittelbar nach dem Event verfrachtete Projektentwickler Müller die Teilnehmer und einige Presse direkt auf das Gelände des Schöneberger Gasometers, um dort sein neuestes Projekt vorzustellen: Die Umgestaltung des ehemaligen Gasspeichers “Gasometer” zu einem ebenso überflüssigen Büropark. Und weil die Stimmung so gut war, machte Projektentwickler Müller bei dieser Gelegenheit ein Versprechen, dem bis heute keine Taten folgten:

Sanierung schon 2007
Zur Freude der Bezirksvertreter kündigte Müller an, noch in diesem Jahr mit einem Aufwand von 3,5 Mio. EURO den Gasometer sanieren zu wollen, der erheblich mit dem Rostfraß zu kämpfen habe.

So wurde es damals vom MdA Lars Oberg berichtet, der heute die Bemühungen des Herrn Müller eher skeptisch sieht.

Und für die Akten: Bis heute hat der Projektentwickler zwar einige vollmundige Versprechungen gemacht. Jedoch ist die Sanierung des Gasometers, nämlich Einrüstung des Stahlskeletts, Sandstrahlen und Schutzanstrich, bis heute nicht erfolgt. Damit hat der Projektentwickler nicht nur sein Versprechen vom Wonnemonat Mai 2007 gebrochen, sondern ist auch vertragsbrüchig geworden. Denn in einem Vertrag des Projektentwicklers mit Bezirksstadtrat Bernd Krömer (CDU) vom 07.04.2008 hatte sich der Projektentwickler verpflichtet, die Sanierung des Gasometers spätestens innerhalb von 9 Monaten nach Beginn der Lichtwerbung einzuleiten. Diese neun Monate sind heute ebenso vorbei wie das Jahr 2007.

6000 Arbeitsplätze – oder was?

arbeitsplätzeEs gibt Aussagen, die sind so schlicht und platt wie falsch und eingängig. Dazu gehört der seit frühesten Tagen vom Projektentwickler gestreute Satz, auf dem Gelände des Bebauungsplans 7-29 würden “5000 Arbeitsplätze entstehen”. Später wurden daraus sogar “6000 Arbeitsplätze”.

Was ist davon zu halten. Werden hier nicht nur Arbeitsplätze verlagert? Ist es nicht so, dass derzeit auf dem Gelände bei der Begatec etwa 200 Menschen bereits beschäftigt sind? Seit wann schafft Bauen Arbeitsplätze, wenn der Bau erstellt ist? Ist es nicht vielmehr so, dass Bauten Arbeitsplätze behausen?

Viele Fragen, auf die wir eventuell durch eine  Bürgerfrage  in der nächsten BVV am 17.06.2009 (Rathaus Schöneberg, 17.00 Uhr) eine Antwort bekommen werden. Die Frage an das Bezirksamt lautet:

Anhand welcher objektiv nachvollziehbaren Berechnungen führt der Bezirksbaustadtrat Krömer in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem B-Plan 7-29 die Zahl von 5.000 Arbeitsplätzen an bzw. in diesem Jahr von 6.000 Arbeitsplätzen?

Gutachten des WZB nicht genehm für EUREF?

Gebäude Wissenschaftszentrum Berlin

Im Sommer 2008 verabschiedete sich die renommierte Bucerius-Stiftung als wissenschaftlicher Begleiter der EUREF für deren Energie-Uni. Im Streit – vom Pulverdampf am Gasometer war damals die Rede. Weil die EUREF keinerlei Vergangenheit im Bereich der Energieforschung hat, wurde mit dem Wissenschaftszentrum Berlin WZB ein neuer Auftragnehmer für das wissenschaftliche Konzept gesucht und gefunden.

Die Wissenschaftler nahmen ihre Aufgabe ernst und führten unter anderem mit Vertretern der BI-Gasometer im Januar 2009 ein ausführliches Informationsgespräch. Dabei wurde schnell deutlich, dass die Fachleute des WZB die Vorstellungen der EUREF als unrealistisch und überzogen ansahen. Eine Fläche von maximal 10.000 m² für ein solches Institut sahen die erfahrenen Wissenschaftler als Obergrenze an und fragten sich, wie eine Autobahnerschließung und ein riesiges Parkhaus mit der angemessenen Nutzung nachfossiler Energiequellen einher gehen sollte. Die 160.000 m² des Projektentwicklers wurden wohl nicht nur von den Vertretern der BI Gasometer als überzogen angesehen. Jedenfalls -so die übereinstimmende Meinung damals- sei ein solches Projekt wünschenswert, aber mit maximal 10.000 m² (und einem großen Fahrradständer) ausreichend versorgt.

Der Bericht des WZB sollte Anfang April 2009 öffentlich vorgestellt werden, so die Wissenschaftler.

Dazu kam es nicht. Der Bericht des WZB wurde bisher nicht veröffentlicht. Offenbar hat das Ergebnis des Auftrags der EUREF nicht gefallen. Auf der Informationsveranstaltung vom 14.05.09 wurde deren Sprecher Dr. Hofmann gefragt, was denn eigentlich mit dem Gutachten sei. Und wofür die restlichen 150.000 m² Büroflächen auf dem Gelände benötigt werden. Die Frage wurde selbstverständlich nicht beantwortet. Herr Dr. Hofmann gab dafür zu Protokoll

… ich glaube an das Projekt.

Glauben ist nett, aber bisher sieht es nicht so aus, als würde die EUREF überhaupt nur einen wissenschaftlichen Partner oder Auftragnehmer für dieses Projekt gewinnen können. Eine Luftnummer eben, die in meinen Augen nur dazu dient, naive Bezirksverordnete zu übertölpeln.

Luftnummer EUREF – Energieforum und Energie-Uni

Projektentwickler haben entweder schon bei Beginn des Bauplanungsverfahrens, also bevor die kommunalen Entscheidungsträger bearbeitet werden, einen Kunden, der die zu schaffenden Flächen mieten, nutzen oder sogar kaufen will. Oder eben nicht.

Die Firmen aus dem Dunstkreis des Projektentwicklers Müller, ob sie da EUREF heißen oder “Denkmal-Plus Berlin GmbH & Co. KG” haben sicherlich keine Kunden, für die mehr als 100.000 m² Nutzfläche neu entstehen müssten:
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Webmaster’s Leid am Montag

Heute ist Montag und ich musste heute schon zwei Kommentare zu Beiträgen auf dieser Webseite zurückweisen, die sich nicht mit blauen Pillen oder zweifelhaften Gewinnchancen befassen. Kommentare sind so eine Sache. Doch wenn sie gehäuft so gallig auftreten wie heute, gebieten Vernunft, Schamgefühl und manchmal auch einfach Langeweile es, die einfache Regel “return to sender” zu aktivieren. Was die Dämonen der Nacht gebaren, muss das schöne Sonnenlicht nicht sehen. So zum Beispiel dieses Ding:

Hallo, diesen Kommentar

Dumm nur ihre Montage es mit der Realität des Planungsentwurfs rein gar nichts zu tun hat. Was sie hier verbreiten ist nicht anderes als ein populistischer extremer Manipulationsversuch! So was ist eine unglaubliche Frechheit, bleiben sie doch einfach bei den Tatsachen.

kann ich leider nicht freischalten, weil dies nach Ausdrucksweise und Inhalt nicht dem Stil unseres Informationsangebotes entspricht. Tatsache ist, dass die Höhenentwicklung des städtebaulichen Entwurfs Ihres mutmaßlichen Arbeitgebers sich recht unharmonisch in die Traufhöhen der umliegenden Wohnbebauung einfügt. Und mein Eindruck ist außerdem, dass Sie auf rätselhafte Weise etwas überengagiert formulieren.

Ich wollte noch schreiben: “Hätten Sie den Text unter der Grafik gelesen, würden Sie nicht von Tatsachen faseln” – aber auch ich bin montags etwas reizbarer und halte mich da lieber zurück.

Von wegen “Landmark”, von wegen massiv!

Der Gasometer 1964 auf einem historischen Pressefoto

Der Projektentwickler Müller und seine Texter erfinden ja gern die Wirklichkeit neu, wie wir spätestens seit dem Preisrätsel der BI Gasometer wissen, wo wir in der inhaltlich richtigen Zusammenfassung einer halbstündigen Präsentation Müllers zum Projekt Gasometer mehr als 10 Tatsachenverdrehungen, dreiste Lügen und Halbwahrheiten fanden.

Eine davon war, der Gasometer werde mehr als 65 Meter hoch “transparent” ausgebaut. Was ebenso Unfug sein dürfte wie die schlanke Behauptung, der solchermaßen ausgebaute Gasometer würde ein “Landmark” darstellen. Erstens ist ein mit Beton und Glas ausgebauter Gasometer kein “Landmark” mehr, sondern ein völlig beliebiges, etwas unförmiges Gebäude. Zweitens zeigt das historische Foto von Bauarbeiten am Autobahnkreuz Sachsendamm, dass der Gasometer im Regelbetrieb von weitem kaum über die Baumwipfel hinaus gefüllt war, also bis zum 3. oder 4. Ring; der dritte Ring markiert etwa die Höhe normaler Berliner Altbauten. Drittens zeigt das Foto sehr deutlich, dass mit Hilfe der vom Projektentwickler entworfenen Hochhäuser am Rande des Geländes (Höhe von 65 – 70 Meter) der Gasometer aus der Ferne überhaupt nicht mehr sichtbar wäre. Von Süden verdeckt nach dem städtebaulichen Entwurf des PE ein Hotelneubau mit ca. 70 Metern Höhe die Sicht. Von Westen schirmt ein über 60 Meter hoher Hochhausriegel a’ la Sozialpalast die Sicht ab und zu sehen ist vom “Landmark” dann überhaupt nichts mehr. Das hat unsere Grafikabteilung aus der Cheruskerstraße bereits recht eindrucksvoll dargestellt.

Preisrätsel der BI – Gewinner ist

… Ute hat 10 Fehler und Unrichtigkeiten in den Aussagen des Projektentwicklers Reinhard Müller nicht nur gefunden, sondern auch übersichtlich dargestellt. Das Preisbier nahm sie bei der letzten Aktivensitzung gefasst entgegen – danke, Ute.

Um einmal exemplarisch zu zeigen, wie viele Tatsachenverdrehungen, Unrichtigkeiten und offene Lügen ein Projektentwickler wie Reinhard Müller allein während einer kurzen Pressepräsentation in die Welt setzt, zitieren und kommentieren wir hier (mit Hilfe von Ute und einigen anderen Einsendern) aus dem Text:

Müller hatte das Gelände Ende März erworben (1)

1. Hatte er nicht. Eine Firma, für die Herr Müller beratend oder sonstwie tätig ist hat (wie dies in derartigen Fällen auch branchenüblich ist) eine Kaufoption für Teile des Geländes erworben. Von Kauf spricht man landläufig erst dann, wenn die Übereignung bindend vereinbart ist.

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Preisausschreiben der BI-Gasometer

Webmaster’s Preisausschreiben: Ich lobe einen Preis “ein Freigetränk beim nächsten Aktiventreff” aus für den Jemand, der in dem Bericht der SPD Schöneberg vom ersten Vorstellungstermin des Gasometerprojekts die etwa 10 kleinen und großen offenen Lügen und Widersprüche des Herrn Projektentwickler (PE) Reinhard Müller findet. Es gibt reichlich davon beginnend etwa ab Absatz 2 der Meldung.

Kleiner Hinweis: Herr Müller ist nur PE und nicht Investor. Er investiert nicht, sondern sorgt nur dafür, dass eventuell die Mehrheitseigentümer der EUREF AG, insbesondere die Firmengruppe hinter deren neuem Vorstandsmitglied Andrej Ogirenko eines Tages dort Bürohäuser und andere große Bauten errichten können, die in einem Kerngebiet baurechtlich zulässig sind.

Folgende Spielregeln: Weiterlesen