Wutbürger und Leuchtwurm – das Jahr 2010

Protest bei der Eröffnung der Nordspitze im JuliWutbürger ist das Wort des Jahres 2010. Wohl nichts hat das Jahr 2010 politisch so geprägt wie die Proteste steuerzahlender Wahlbürger gegen größenwahnsinnige Planungen politischer Zirkel in Stuttgart. Doch „Stuttgart 21“ spielte sich auch am Gasometer ab, wo sinnfreie Bauplanung, Gefasel vom „Leuchtturmprojekt“ und mühsam kaschierte Denkmalverschandelung genügend Stoff für unsere Bürgerinitiative und viele interessante Aktionen und Artikel boten.

Krömers Traum

Es begann ganz harmlos und nett mit unserem Filmabend am 14.01.2010. Wir zeigten „Henners Traum“ einen ebenso leisen wie entlarvenden Dokumentarfilm des hessischen Filmemachers Klaus Stern über die vollständig sinnlosen Aktivitäten eines hessischen Gemeindebürgermeisters, um das größte Tourismusprojekt Europas in eine landschaftlich reizvolles aber leider sehr regenreiches Naturschutzgebiet zu holen.

„.. das wird ein Leuchtturmprojekt! 5 Luxushotels, 5 Sterne, 5 Golfplätze“

Ähnliche Sprüche sollte man in diesem Jahr auch am Gasometer noch häufiger hören.

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Prozesshanselei: Loch oder Spalt?

Fotomontage: Riss am Gasometer

Fotomontage: Riss am Gasometer

Es gibt Menschen, die in einem Riss oder Spalt lieber ein Loch sehen. Und dann vor den Kadi ziehen. So geschehen bezüglich unserer Berichterstattung über den Riss am Gasometer im Frühjahr 2010, wo wir über ein offenes Zerwürfnis zwischen Projektentwickler Reinhard Müller und dem Bezirksamt berichtet hatten. Der Artikel war mit einer Fotomontage illustriert, auf der das Rathaus Schöneberg durch einen riesigen Riss/Spalt im Gasometer in dessen Inneres guckt. Mit Dekoration durch Grünpflanzen.

Dies führte zu einem einstweiligen Verfügungs- und anschließenden Gerichtsverfahren, mit dem Müller dem Verfasser des Berichts untersagen will, den Eindruck zu erwecken, auf dem Bild würden die im Bericht genannten Löcher gezeigt. So absurd, wie einem dieses Ansinnen erscheinen mag, ist das nicht – über derartige Fragen wird im Presserecht gern und ausdauernd gestritten.

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Leuchtturm ohne Leuchtwurm

Gasometer im Gegenlicht

Dunkelheit am Leuchtturm-Projekt. Die Leuchtwerbung am Gasometer leuchtet derzeit nicht mehr. Sie war seit zwei Jahren das sichtbare Zeichen dafür, dass Kommerz an diesem weithin sichtbaren Industriedenkmal stattfindet.

Genützt hat die Reklame dem Gasometer nicht. Seine Instandsetzung durch umfassende Entrostung des Führungsgerüsts lässt weiterhin auf sich warten.

Heute scheint die ca. drei Tonnen schwere Konstruktion einer LED-Wand aus Baustahlmatten wie im gleichnamigen Roman von Joseph Conrad das “Herz der Finsternis” zu sein oder -um beim beim Bild zu bleiben- „Das Grauen! Das Grauen!“

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Leuchtwerbung: verdunkeln, verschleiern, verzögern

Lichtwerbung, Sommer 2010

Leuchtwerbung von der Torgauer Straße aus gesehen, 2010

Seit mehr als zwei Jahren flimmert am Gasometer der “Nightmare-Screen” – sinnlose Leuchtwerbung, die in letzter Zeit häufiger auch nachts abgestellt bleibt. Früher wollte der Eigentümer des Gasometers, Projektentwickler Reinhard Müller, mit Erlösen aus dieser Leuchtwerbung die Sanierung des Gasometers finanzieren.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sich der für die Genehmigung dieser Denkmalverschandelung zuständige Bezirksstadtrat Bernd Krömer (CDU) nicht nur leichtfertig über Beschwerden und Bedenken von Anwohnern hinweg gesetzt. Sondern er hat (ob aus Unkenntnis oder absichtlich, ist nicht bekannt) sogar die Öffentlichkeit falsch informiert. Und die Überprüfung von Anwohnerbeschwerden sowie die Benachrichtigung der Bewerdeführer hat weit mehr als ein Jahr gedauert.

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Führungen zum Denkmaltag

Führung-01Die Führungen der BI “Rund um den Gasometer” zum Tag des offenen Denkmals am 11. und 12.09.2010 waren eine runde Sache:

Fachkundig geführt von zwei Fachfrauen der BI-Gasometer informierten sich mehr als 200 Teilnehmer über die Geschichte des Schöneberger Gasometers (“Gasometer IV”) und der benachbarten Roten Insel.

Von den Anfängen der Gaserzeugung über die industrielle Gasproduktion bis zur Demontage des Gasometers 1996. Und auch darüber, welche Verunstaltungen und willkürlichen Veränderungen der Gasometer seitdem über sich ergehen lassen musste.

Das überwiegend fachkundige Publikum erwähnte mehrfach, dass es leider auf dem Gasometer-Gelände selbst keine denkmalbezogenen Informationen, sondern nur Propaganda gäbe.

Das ist ja eine richtige Führung, nicht nur so ein Zukunftsgerede – toll!

meinte eine ältere Dame, nachdem sie ausgiebig beide Angebote getestet hatte.

Und am Info-Stand der BI herrschte ebenso reges Treiben wie am Stand der Berliner Geschichtswerkstatt, wo es auch ein mehr als 20 Jahre altes wunderschönes Plakat zu sehen gab.

 

Festsetzung des B 7-29 noch in 2010?

Etwa ein Jahr nach Beschlussfassung über den umstrittenen Bebauungsplan 7-29 “Gasometer-Gelände” warten die Anwohner immer noch auf Korrekturen und eine abschließende Befassung durch die Bezirksvertreter, damit erforderlichenfalls auch rechtliche Schritte gegen den Plan eingeleitet werden können.

Dazu teilt jetzt das Bezirksamt auf eine persönliche Anfrage eines Anwohners mit:

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Gasometer-Nightscreen erloschen

Der Schöneberger Gasometer verzichtet derzeit auf Lichtreklame – die vom Betreiber als “Nightscreen” und von Anwohnern spöttisch als “Nightmare-Screen” bezeichnete Lichtreklame an der zur Stadtautobahn blickenden südlichen Seite des Gasometers ist erloschen.

Bereits seit Wochen fragten sich die Anwohner, ob es nachts den Werbern zu hell geworden sei für ihre krude Mischung aus Eigenwerbung, Pro-Bono Geflimmer und kommerzieller Reklame. Jedenfalls bestätigte gestern unsere Nachbarin Sabine, dass der Nightscreen überhaupt nicht mehr in Betrieb ist. Sie muss es wissen, hatte doch die Lichtreklame zuvor nächtlich für unangenehm wechselnde Helligkeit in ihrem Schlafzimmer gesorgt.

Werbefreie Zone am Gasometer – es darf bezweifelt werden, ob dafür ästhetische Gründe ausschlaggebend waren. Was vor rund zwei Jahren mit breitem medialem TamTam begann, ist im Dunkel versunken. Weniger als zwei Jahre sind seit dem offiziellen Start der Leuchtreklame vergangen.

Nachtrag vom 20.07.2010: Es flimmert wieder!

High Noon und Plan B

Krömer und Schworck, Juli 2010

Der Glöckner hat schon alles gesagt: Es kam außer BI-Gasometer, Bezirksamt und vielen Mitarbeitern und Hilfskräften des Bezirksamts kaum jemand zur Eröffnung des Cheruskerparks Nordspitze.

Gähnende Leere, gleißende Sonne und die Anwohner des gegenüber vom Parkeingang liegenden Hauses (ein sehr BI-Aktives-Gebäude) hatten durch ein 10 Meter langes Transparent verdeutlicht, was von der überfallartigen Umgestaltung des “alten” Cheruskerparks Nord zu halten ist.

Bereits am Eingang sammelten sich mehrere zwielichtige Gestalten mit großen Scheinen, um den Zusammenhang zwischen Geld und Park sinnfällig zu machen.

Am Rande der Veranstaltung war zu erfahren, dass die Parkplanung bereits jetzt in die Zukunft weist:

Der rätselhafte Weg, welcher mitten durch die Nordspitze direkt auf den (normalerweise verschlossenen-) Zaun des Gasometergeländes hin führt, macht im Moment noch wenig Sinn. Jedoch rechnen Insider (und offenbar auch die Planer des Bezirksamts) damit, dass dieser Weg später am Gasometer vorbei direkt Richtung Torgauer Straße führen wird. Und das Gelände am Gasometer für die Öffentlichkeit zugänglich wird – eine alte und wichtige Forderung der BI.

Weil es sich -so kann man vermuten- auf Dauer für die Betreiber nicht rechnet, das Gelände rund um den Gasometer abzuriegeln und mit Zaun und Pförtner als “gated area” zu bewirtschaften. Denn sonst könnte es dem Betreiber dort gehen wie der Aktivistin, die auf weiter Flur keine Seele fand für das eigens für den Event gefertigte Flugblatt. Dies könnte auch das Motto dieser seltsamen Veranstaltung gewesen sein.

Wer für sich bleiben will, bleibt für sich (und macht kein Geschäft).

Veränderungen

Veränderungen und Umbauten am Gasometer

Gasometer: Eingangstür Ostseite

Gasometer: Eingangstür Ostseite

Es sah seltsam aus rund um den Schöneberger Gasometer. Getigerte Handläufe, silberfarbene Rohre, Container, Bretterverkleidungen und eine knallrote Tür waren Anfang April 2010 vom Cheruskerpark aus zu beobachten, wie auf den Bildern zu diesem Artikel zu sehen. Mit Denkmalschutz scheint dies wenig zu tun zu haben. Empörte Anwohner beschwerten sich vielmehr über unzulässige Veränderungen am denkmalgeschützten Gasometer.

Wenig erhellend sind auch die Informationen, die das Bezirksamt und die Senatsverwaltung zum Thema geben. Wie die zuständige Senatsverwaltung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Claudia Hämmerling mitteilte,

wurden mehrere kleine Eingriffe in die Wandung des Gasometers eingebracht, die aber teilweise wieder zurückgenommen wurden. Dies geschah ohne denkmalrechtliche Genehmigung.

In dem wegen dieser Veränderungen eingeleiteten Anhörungsverfahren hat der Eigentümer sich laut Auskunft der Senatsverwaltung

dahin gehend geäußert, dass nicht er selbst, sondern der Betreiber der Veranstaltungshalle die Maßnahmen veranlasst hat.

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Lärm am Gasometer – Polizei kommt

Die Partymeister haben am Gasometer wieder zugeschlagen. Lärm bis in die Nacht und Soundcheck am Tag, da waren einige Anwohner sehr genervt und bei uns und dem Bezirksamt gingen die Beschwerden ein.

Das klingt dann etwa so:

als Anwohnerin der Cheruskerstraße möchte hiermit eine Lärmbelästigung anzeigen, die in der Nacht vom 29./30. April und vom 30.April/1. Mai von Musikveranstaltungen im Gasometer Weiterlesen