Lack ab, Rost ab?

Der Lack ist größtenteils ab, darunter schaut schon lange der Rost hervor. So kennen wir den Gasometer schon seit ungefähr zwei Jahrzehnten. Soll er dauerhaft erhalten bleiben, muss er gründlich saniert werden. Das sieht jeder, und fast jeder im Bezirk hofft darauf.

Musterabschnitt am 5.5.11

Musterabschnitt am 5.5.11

Ist jetzt etwa aus der Hoffnung Gewissheit geworden? Am 5. Mai war großer Presseauftrieb am Gasometer. Den Medienvertretern wurde verkündet, jetzt gehe es los mit der Sanierung. Anschaulich war ein Musterstück vorbereitet. Stadtrat Krömer hantierte fotogen mit einem Lasergerät, mit dem das Industriedenkmal entrostet werden soll. Die Abendschau des rbb filmte die Szene und meldete, die Sanierung koste 3,8 Millionen Euro und werde vier Jahre dauern.

Über die Vorgeschichte jedoch mochte keiner der Medienvertreter berichten, geschweige denn, dass die Sanierung schon längst überfällig ist. Mal abgesehen von den vollmundigen Versprechungen des Jahres 2007, man wolle noch im selben Jahr die Instandsetzung beginnen: Weiterlesen

Jauch auch

Günther Jauch will ab September 2011 in der so genannten “WM-Kuppel” im Schöneberger Gasometer eine Talk-Show produzieren. Wie die Berliner Zeitung meldet, soll von Sonnabend bis Montag die Fernsehproduktion diesen temporären Bau füllen, der ansonsten laut Berliner Zeitung für 7.500 EUR täglich vermietet wird.

Ein recht seltsamer Terminplan, da angeblich in Kürze der “offizielle Beginn” der Instandsetzungsarbeiten am rostenden Führungsgerüst des Gasometers sein soll. Und die dafür mit großer Sicherheit notwendigen Sandstrahl- und Lackierarbeiten während der Arbeitswoche würden mit der Nutzung durch die Fernsehproduktion noch nicht einmal kollidieren.

Eine Anwohnerin und langjährige Aktive unserer Initiative kommentierte das mit den Worten:

Veranstaltungen und solche Produktionen sind ja keine abwegige Nutzung für den alten Gasometer. Wenn der Denkmalkönig doch nur endlich den Gasometer vom Rost befreien und für eine richtige und denkmalgerechte Veranstaltungshalle in dem großen Rondell sorgen würde – mit Schallschutz, ordentlichen Fluchtwegen und ohne rote Türen.

Allerdings hat Herr Müller auch hier ein altes Problem: Mit dem Thema “Energie-Forum” hat das alles nichts zu tun. Vielleicht Zeit für einen Themenwechsel und ein anderes Nutzungskonzept.

Zeit für einen Themenwechsel am Gasometer also.

Das Märchen vom Denkmalschutz – oder: Die Tür, die nicht passte

Es war einmal ein selbsternannter Denkmalschützer, der immer großen Wind um seine  Aktivitäten in diesem Bereich machte. Dazu gehörte die berühmte Verhüllung des Brandenburger Tors mit Telekom-Reklame ebenso wie die legendäre Werbenutzung des Charlottenburger Tores. Nun wollte sich der König der Denkmalschützer einmal an einem Industriedenkmal versuchen und kaufte den Schöneberger Gasometer. Da sollte Großes entstehen – ein Energie-Forum, eine Energie-Universität, ein ganz besonderes und sehr hohes Hotel und viele viele Quadratmeter Büroraum.

Weil das alles nicht so lief, baute der kleine König der Denkmalschützer einen gebraucht gekauften Behelfsbau im Schöneberger Gasometer auf, den nannte er “WM-Kuppel”. Das war schön im Sommer und kalt im Winter, weil die Fußbodenheizung unter dem Folienzelt nicht funktionierte. Also schnitt der Denkmalkönig Löcher in die Stahlwände des Gasometers für Lüftungsrohre, die sahen von innen so aus:

Lüfungsrohr durch die Wand des Wasserbehälters; Foto: www.bi-gasometer.de

Lüfungsrohr durch die Wand des Wasserbehälters; Foto: www.bi-gasometer.de

Das Bezirksamt erfuhr davon erst recht spät, als die Löcher schon geschnitten waren. Und weil das Bezirksamt dem kleinen Denkmalkönig nicht gram sein wollte, genehmigte es diese Löcher nachträglich.

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Führungen zum Denkmaltag

Führung-01Die Führungen der BI “Rund um den Gasometer” zum Tag des offenen Denkmals am 11. und 12.09.2010 waren eine runde Sache:

Fachkundig geführt von zwei Fachfrauen der BI-Gasometer informierten sich mehr als 200 Teilnehmer über die Geschichte des Schöneberger Gasometers (“Gasometer IV”) und der benachbarten Roten Insel.

Von den Anfängen der Gaserzeugung über die industrielle Gasproduktion bis zur Demontage des Gasometers 1996. Und auch darüber, welche Verunstaltungen und willkürlichen Veränderungen der Gasometer seitdem über sich ergehen lassen musste.

Das überwiegend fachkundige Publikum erwähnte mehrfach, dass es leider auf dem Gasometer-Gelände selbst keine denkmalbezogenen Informationen, sondern nur Propaganda gäbe.

Das ist ja eine richtige Führung, nicht nur so ein Zukunftsgerede – toll!

meinte eine ältere Dame, nachdem sie ausgiebig beide Angebote getestet hatte.

Und am Info-Stand der BI herrschte ebenso reges Treiben wie am Stand der Berliner Geschichtswerkstatt, wo es auch ein mehr als 20 Jahre altes wunderschönes Plakat zu sehen gab.

 

Führungen “Schöneberger Gasometer und Rote Insel”

Zum Tag des offenen Denkmals lädt die BI Gasometer am Samstag (11.9.) und Sonntag (12.9.) um 12, 14 und 16 Uhr zu Führungen ein. Wir starten im nördlichen Cheruskerpark (Eingang ist in der Cherusker-/Ecke Roßbachstraße) und führen durch das Parkgelände am früheren Gaswerkgrundstück entlang, also „rund um den Gasometer“.

Der alte Gasbehälter, der das Schöneberger Stadtbild seit 100 Jahren prägt, soll im Mittelpunkt stehen. Aber auch „drumherum“ gibt es viele interessante Themen. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig, und die Führungen sind kostenlos.

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Postkarte: Gasometerklage

2009-11-19_BERLIN_05

Auch BI-Aktivisten müssen immer mal wieder nach neuen Ausdrucksformen suchen.

Nach diversen Flugblättern, Veranstaltungen, Schwarzbuch Nordspitze, Transparenten gibt es jetzt auch eine “offizielle” Postkarte.

Der Künstler hat dafür ein Bild des Gasometers mit einem Schablonen-Graffitti überlagert, wie es immer mal wieder hier auf der Insel zu sehen ist.

Erhältlich ist die Postkarte gegen eine kleine Spende bei unseren Aktiventreffen und in einigen ausgewählten Läden auf der Roten Insel.

Volker Wartmann: Ausstellung “100 Jahre Gasometer”

Der Reisejournalist (und mutmaßliche Schöneberger) Volker Wartmann hat mit seiner Polaroid Kamera den Gasometer umschlichen und 100 mal fotografiert. Unter dem Titel

100 Jahre Gasometer – Eine Huldigung des Schöneberger Wahrzeichens mit 100 Polaroid-Sofortbild-Fotografien aus 100 verschiedenen Perspektiven

stellt er seine Bilder in der

Termin: Donnerstag, 12.11.2009, 20 Uhr (Vernissage)

Dauer: 13.11. bis 06.12.2009, täglich ab 21 Uhr

Ort: JansenBar, Gotenstraße 71, 10829 Berlin-Schöneberg

aus. Der Eintritt ist frei. Einen schönen Bericht über die Ausstellung gibt es beim Tagesspiegel.

Befremden tut mich allerdings die Ankündigung des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg, das im Rahmen der dezentralen Kulturarbeit dieses Projekt unterstützt und ankündigt. Dort heißt es:

Sowohl der Gasometer als auch das Medium Polaroid-Sofortbild-Fotografien sind Symbole einer Epoche, die mittlerweile Vergangenheit ist. Der Gasometer ist seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr in Betrieb und in absehbarer Zukunft wird dieses Industriedenkmal von innen zugebaut werden. Auch die Zeit der Polaroid-Sofortbild-Fotografie ist vorbei.

Sie spielt im Zeitalter digitaler Techniken keine Rolle mehr. Im vergangenen Jahr wurde die Produktion von Polaroid-Sofortbild-Filmen endgültig eingestellt.

Bisher ist jedenfalls mir nichts davon bekannt, dass der Gasometer “in absehbarer Zeit von innen zugebaut” wird. Diese Aussage dürfte etwa ebenso belastbar sein wie die Ankündigung des Projektentwicklers Müller im Mai 2007, er werde “noch in diesem Jahr mit der Sanierung des Gasometers beginnen”. Tatsache ist -wie die Bewohner der Roten Insel wissen- nur, dass das Bezirksamt in einem einmaligen Akt von planerischer Blindheit mit dem berüchtigten B-Plan 7-29 eine ausufernde Bebauung und Verschandelung des Gasometergeländes sanktioniert hat. Der B-Plan ist jedoch nicht bestandskräftig und wird dies hoffentlich auch niemals werden.

So sind Polaroid und Gasbehälter zwar Symbole nicht mehr benötigter industrieller Techniken. Jedoch sollte dem Industriedenkmal Gasometer ein wesentlich längeres unversehrtes Leben beschieden sein als dem Polaroid-Film. Zumal über das Schicksal des Gasometers nicht ein Industriekonzern zu entscheiden hat.

EUREF-Uni gescheitert – Luftnummer des Projektentwicklers offiziell beendet

Wie der Berliner Abendschau zu entnehmen ist,  haben die Verantwortlichen der EUREF Energieuniversität das Projekt einer Universität mit Schwerpunkt Energiethemen nun offiziell für gescheitert erklärt für die nächsten Jahre auf Eis gelegt- ein neuer Tiefpunkt der Bemühungen um seriöse Energieforschung  am Schöneberger Gasometer. Nachdem die Bucerius-Stiftung bereits im Sommer 2008 als Kooperationspartner im Streit gegangen war, haben offenbar auch die  neuen Kooperationspartner aus dem Wissenschaftsbereich keine Wende zu einer ernsthaften und seriösen Energieforschung  am Gasometer bewirken können. Es fehlen nach Aussagen der Interviewpartner des RBB dreistellige Millionenbeträge an verfügbarem Kapital und auch ersthafte, nachprüfbare und seriöse Konzepte.

Reinhard Müller hatte im Verlauf des bisherigen Verfahrens rund um den Gasometer viele Dinge versprochen, die nicht realisiert wurden: 5000 Arbeitsplätze, 500 Millionen EUR Investitionen in neue  Bauten, Beginn der Sanierung des Gasometers bis  2007. Es ist in meinen Augen bezeichnend für die Umsetzungskompetenz dieses Projektentwicklers, dass derartig großspurigen Ankündigungen schon fast regelmäßig keine Taten folgen. Bedauerlich zudem, dass -wie bisher- rund um den Gasometer außer Eigenwerbung und Party des Projektentwicklers wohl auch in Zukunft wenig in Richtung Energieforschung passieren wird.

Weiterhin fordert die BI-Gasometer:

  • ein stadtteilverträgliches Projekt mit Beteiligung der Anwohner
  • städtebauliche verträglichkeit (nicht das 1,5 fache des Sonycenters wie in der bisherigen Planung)
  • kein Kerngebiet im Kiez – Sondergebiet für Energie- und Klimaforschung
  • inhaltliche verträglichkeit des Projekts (keine riesigen Tiefgaragen, sondern modellhafte Anwendung umweltfreundlicher Konzepte
  • ein Modellgebiet Rote Insel für energetische Sanierung von Altbauten

Im Nachgang zu der Berichterstattung des RBB machte Projektentwickler Müller, wie Presseberichten in der Berliner Zeitung und der Berliner Morgenpost zu entnehmen war, neue Versprechungen  auf:  Energie-Institut, Sommeruni – all das haben die Anwohner und die Öffentlichkeit bereits seit 2007 vernommen, ohne dass es hier zu nennenswerten Aktivitäten gekommen wäre.

Der Berliner Kurier berichtete am 01.11.2009 unter Bezugnahme auf “der Zeitung vorliegende Unterlagen”, Projektentwickler Reinhard Müller habe Bürger und Bezirkspolitiker “bewusst getäuscht”. In einer Sitzung vom März 2009 habe er darauf gedrängt

den Entwurf einer Energie-Universität beizubehalten – mit der Bezeichnung „Hochschule“ als Langfristziel. Grund: Die „Gefahr der Unglaubwürdigkeit, wenn das Euref-Institut voreilig zu bescheiden konzipiert wird“.

Nachtrag vom 24.11.09: Nunmehr hat der Berliner Kurier den hier verlinkten Artikel vom Netz genommen, möglicherweise aufgrund einer Gegendarstellung.

Viel Lärm am Gasometer

Ouvertüre

Es ist Dienstag, der 06.10.2009, kurz vor zehn und eine neblige Nacht. Über dem Gasometer zucken Lichtblitze in den Nebel. Aus dem Wasserbehälter hämmert Discomusik und füllt die Luft mit einem dumpfen Dröhnen, das bis in die etwa 200 Meter entfernte Cheruskerstraße deutlich zu hören ist.

techno-diskoIn die grüne Stahlwanne des Gasometers wurde ein Tor geschnitten. Davor stehen zwei schäbige Partyzelte, die weiß in der feuchten Luft glänzen. Fünfzig Meter weiter steht auf einer Parkbank im Dunkeln ein Mann mit einem Schallpegel-Messgerät. 63 dbA zeigt sein Messgerät an. Das ist rund fünfzig Meter entfernt vom Gasometer vor dem Schlafzimmerfenster eines Mieters ein deftiger Wert. Kurz darauf ertönt noch Rosa-Rauschen aus dem Gasometer – wieder in einer monströsen Lautstärke. Es klingt wie ein Wüstenwind und wir mitten drin. Dann um 22.00 Uhr ist Ruhe.

Ankündigung

Am Abend des selben Tages hatten Helfer des “BERLIN GASOMETER -Team” (Versalien sind wichtig) eine Ankündigung geklebt, in der von einer “Ausnahmegenehmigung” die Rede war und um “Verständnis für etwaige Ruhestörungen” gebeten wurde. Der Veranstalter dieses Events mit der amitionierten Webpräsenz wirbt mit einer wattstarken Beschallungsanlage und bietet

eine kompetente, zuverlässige und freundliche Security- und Hostessenbetreuung.

Tabledance im Gasometer?

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Projektentwickler füllt das Sommerloch mit Schrotthandel und Fußbodenheizung

Müllers Mannen haben das Sommerloch mit einer in meinen Augen ziemlich aberwitzigen Aktion gefüllt: Am Donnerstag, dem 06.08.2009 gab es im Wasserbecken des Gasometers ein “kleines Richtfest” – überrascht? Ganz sparsam und hausfraulich hat der Projektentwickler die (hoffentlich nicht ganz rostige-) WM-Kuppel der Fußball-WM 2006 in den Gasometer einbauen lassen und will dort nun “Events” veranstalten. Die Pressemitteilung der EUREF berichtet für die (offenbar halboffene-) Konstruktion von einer Fußbodenheizung.

Es begann mit einer der üblichen Häppchenparties, über die dann in der Presse am folgenden Tag berichtet wurde. Sehr kritisch war die Abendschau. Wir erhielten dort Gelegenheit zu einem kurzen Statement und die Reporterin sagte mir, die geringe Teilnehmerzahl der Pressekonferenz und vor allem die Statements der Vertreter etablierter Universitäten seien ernüchternd gewesen. Nach diesem kleinen Event ist Einiges klarer:

  1. Es wird so schnell keinen Ausbau des Gasomters geben (mindestens zwei Jahre Nutzungsdauer für den WM-Schrott sind angedacht).
  2. Die Energieuni dürfte endgültig gestorben sein. Keine der wissenschaftlichen Institutionen scheint das zu wollen und zunächst einmal sollen “200 Millionen Euro Spendengelder” eingeworben werden – der in der Abendschau interviewte Vertreter einer Berliner Hochschule sagte denn auch ganz deutlich: “Hochschule können wir selber und brauchen da auch keine Konkurrenz”.
  3. Die Fußbodenheizung der teilweise offenen Kuppelkonstruktion wird derzeit jedenfalls nicht “CO2-neutral” durch Erdwärme oder ähnliche erneuerbare Energien betrieben, sondern mit fossilen Brennstoffen. Ein schönes Beispiel für Verschwendung fossiler Brennstoffe am angeblich umweltfreundlichsten Bau Europas.
  4. Wie meist bei Müller – viel Lärm um nichts.