Torgauer I: Geheime Geschenke

Torgauer Straße

Torgauer Straße

Auf den ersten Blick gibt es kaum eine unattraktivere Straße in Schöneberg. Wenn man zwischen den Eisenbahnbrücken am S-Bahnhof Schöneberg in die alte mit Kopfstein gepflasterte enge Straße abbiegt, die zwischen hohen Mauern eingezwängt ist, verlässt man den Sachsendamm und befindet sich in der Torgauer Straße. Alles andere als einladend, führt sie bergan und bietet neben holprigem Pflaster den vermutlich engsten Bürgersteig Schönebergs.

Ein großes Immobilienschild am Sachsendamm verkündet die Heilsbotschaft eines Immobilienprojekts, wenn man sich durch die Gasse hindurch wagt: Das „Europäische Energieforum“ wirbt um Partner.

Werbeschild am Sachsendamm

Werbeschild am Sachsendamm

Oben angekommen sieht man zunächst nichts von den Phantasien des Projektentwicklers Reinhard Müller. Eine Einfahrt führt auf das Gelände Torgauer Straße 12-15, auf dem als erstes die schon lange ansässige Firma Begatec zu sehen ist. Ein Backsteingebäude an der Straße in gotischem Stil verrät jedoch, wer hier einst residierte, nämlich die erste Gasanstalt südlich von Berlin, die sich an der Berlin-Potsdamer-Eisenbahnstrecke 1871 niederließ. Das Reglerhaus diente der Einspeisung des Gases in das öffentliche Netz. Weiterlesen

Torgauer Straße im Nebel

Die Stadt und die Torgauer Straße -momentan einzige Zufahrt zum geplanten Kerngebiet am Schöneberger Gasometer- lagen im Nebel, als die BVV Tempelhof-Schöneberg gestern das neue Bezirksamt wählte. Inhaltlich gab es nach den intensiven Abstimmungsgesprächen zwischen SPD und Grünen eine recht umfangreiche Zählgemeinschaftsvereinbarung, auf deren Grundlage Angelika Schöttler (SPD) mit deutlicher Mehrheit zur Bezirksbürgermeisterin gewählt wurde. Die CDU hatte die personellen Vorschläge der anderen Parteien unterstützt, so dass auch für die Personalvorschläge der CDU mit zwei Stadträten (Schule und Hochbau) sowie die von den Grünen gestellte „Superstadträtin“ Dr. Sibyll Klotz (Stadtplanung, Soziales, Gesundheit u.a.) deutliche Mehrheiten zustande kamen. Selbst der wegen seiner problematischen Kommunikation in der letzten Wahlperiode wenig beliebte Stadtrat Oliver Schworck (SPD) wurde mit ausreichender Mehrheit in seinem neuen Amt als Jugendstadtrat bestätigt. Weiterlesen

Nordspitze: Vorm Spielen wird gewarnt

Schlamm im Baufeld 7Auf der Nordspitze, dem nördlichsten Zipfel des ehemaligen Gaswerks Schöneberg, befinden sich (immer noch) giftige Substanzen im Boden. Es handelt sich um Rückstände der Gasproduktion, und beseitigt sind sie bisher nur auf der nördlichen Seite des Zauns im Bereich der neuen Grünanlage des erweiterten Cheruskerparks. Dort hat der Bezirk zusammen mit der GASAG eine große Summe für die komplette Altlastensanierung ausgegeben.1 Doch jetzt wird unmittelbar nebenan in weniger als 10 Metern Entfernung das Erdreich bewegt. Eine Gefahr für die Nutzer der Grünfläche und des Spielplatzes ist derzeit nicht auszuschließen!

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  1. siehe die umfangreiche Dokumentation der BI-Gasometer zur Nordspitze 

Cheruskerpark Nord bleibt übersichtlich

Vor etwa einem Jahr am 03.07.2010 eröffnete der für Bürgerdienste, Ordnungsaufgaben, Natur und Umwelt zuständige Stadtrat Oliver Schworck (SPD) die neue Grünfläche auf der Nordspitze und den mit erheblichen Mitteln von Grün, Bäumen und Büschen weitgehend befreiten Teil des nördlichen Cheruskerparks.

Wie kurz darauf am Lassenpark war es zuvor zu heftigen Protesten der Anwohner gekommen, weil der Stadtrat dort wie hier ohne Kommunikation mit den Anwohnern zahlreiche Bäume und Büsche gerodet, viel Tiefbau beauftragt und seine höchstpersönlichen Vorstellungen von einer übersichtlichen Parkanlage durchgesetzt hatte. Weiterlesen

Denkmalpflege durch Verhüllung

Schleusenhaus mit Baum (verhüllt)

Was Sie hier sehen, ist keine EUREF-Litfasssäule, sondern ein Denkmal. Das so genannte Schleusenhaus steht zusammen mit dem Schöneberger Gasometer auf der Denkmalliste und ist daher nach dem Denkmalschutzgesetz Berlin geschützt. Es darf nach § 11 des Gesetzes nicht ohne Genehmigung der zuständigen Behörde in seinem Erscheinungsbild verändert, werden.1

Die Veränderung an diesem Denkmal ist offensichtlich. Besser gesagt, das Denkmal ist verhüllt, und zwar fast vollständig bis auf das Dach. Eine umfassendere Verschandelung eines Denkmals ließe sich wohl nur durch einen kompletten Abriss erreichen. In jedem Fall ist eine solche Veränderung genehmigungspflichtig.

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  1. § 11 Abs. 1 Nr. 1 DenkmalschG Berlin 

Bezirk mauert – vorzeitige Planreife und Hochhaus

Cheruskerpark von Norden (Foto: Emma P.)

Es sieht so aus, als seien die Vertreter von CDU und SPD in der BVV von allen guten Geistern verlassen: In der Sitzung des Stadtplanungsausschusses vom 09.03.2010 stimmten die Vertreter dieser Fraktionen mit jeweils einer Enthaltung für einen Antrag, der gleichzeitig die vorzeitige Planreife für ein Kerngebiet auf dem Gasometergelände feststellt und sich positiv zu einer Baugenehmigung für ein Hochhaus nördlich des Gasometers verhält, das dann den gerade neu hergestellten Cheruskerpark auf der Nordspitze gründlich verschattet. Damit liegen jedenfalls mehr als 400.000 EUR des Bezirks zukünftig im Schatten, wenn dieses Bauprojekt verwirklicht wird.

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BI Gasometer fordert: Keine vorzeitige Planreife für 7-29!

Scheinbar hat es der Bezirk Tempelhof-Schöneberg sehr eilig, wenn es darum geht, Projektentwickler Reinhard Müller am Gasometer handfeste Vorteile zu verschaffen. Und weil die für eine profitable Kerngebietsausweisung notwendige Zustimmung der Deutschen Bahn zu einer Kreuzung ihrer wichtigen Bahntrasse entlang der Torgauer Straße immer noch nicht vorliegt, versucht Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) es jetzt zusammen mit der SPD anders herum. Es soll gleichzeitig ein Bürohochhaus mit rund 46.000 m² Geschossfläche genehmigt und die vorzeitige Planreife für ein Kerngebiet beschlossen werden. Sie können sich gegen dieses Anliegen mit unserer Online-Petition wenden.

Die Sachargumente sprechen gegen diese Praktiken. Wir fordern die Bezirkspolitiker in unserem heute versandten Schreiben daher auf,

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Krömers zweiter Anlauf

2011-02-10_Planübersicht1Beim zweiten Versuch kann man es besser machen, oder aber man versucht es mit derselben Masche noch einmal. Letzteres ist zwar kein intelligenter Plan, aber beim ersten Mal haben die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung in der überwiegenden Mehrheit ja auch nichts gemerkt.

Worum geht es: Baustadtrat Krömer hat zur letzten BVV-Sitzung im Februar nachträglich den Bebauungsplan 7-29 für das Gelände am Gasometer auf die Tagesordnung setzen lassen. Die Drucksache 1729/XVIII enthält nicht nur eine erneute Abstimmung über den in jeder Hinsicht „großzügigen“ Bebauungsplan, sondern will auch die Zustimmung für einen Bauantrag auf dem Gelände vor der Rechtsgültigkeit des B-Plans erreichen. Der Antrag ist in den zuständigen Ausschuss überwiesen worden. Jetzt also wird zunächst am 9. März 2011 (ab 17 Uhr) im öffentlichen Stadtplanungsausschuss darüber beraten.

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Leuchtturm ohne Leuchtwurm

Gasometer im Gegenlicht

Dunkelheit am Leuchtturm-Projekt. Die Leuchtwerbung am Gasometer leuchtet derzeit nicht mehr. Sie war seit zwei Jahren das sichtbare Zeichen dafür, dass Kommerz an diesem weithin sichtbaren Industriedenkmal stattfindet.

Genützt hat die Reklame dem Gasometer nicht. Seine Instandsetzung durch umfassende Entrostung des Führungsgerüsts lässt weiterhin auf sich warten.

Heute scheint die ca. drei Tonnen schwere Konstruktion einer LED-Wand aus Baustahlmatten wie im gleichnamigen Roman von Joseph Conrad das „Herz der Finsternis“ zu sein oder -um beim beim Bild zu bleiben- „Das Grauen! Das Grauen!“

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Werkstattgespräch Grünverbindung: Probleme mit Grün und Wegen

Auf dem 3. Werkstattgespräch des Bezirksamts am 23.09.2010 zur Grünverbindung zwischen Gleisdreieck und Naturpark Südgelände ging es um den sehr unübersichtlichen Bereich entlang der Dresdner Bahn, nämlich zwischen Yorckbrücken und Monumentenbrücke entlang der Bautzener Straße und weiter hinunter bis zum Bahnhof Südkreuz. Heftige Proteste betroffener Anwohner, ein planloser Beitrag des für die Grünplanung zuständigen Bezirksstadtrats Schworck (SPD) und engagierte Beiträge von Naturschützern und Landschaftsplanern sorgten für echte Werkstattatmosphäre.

Im Gegensatz um 1. Werkstattgespräch im Frühjahr wurde diesmal den Beiträgen des Publikums etwas breiterer Raum eingeräumt. Auch sorgte eine professionelle Moderation der Veranstaltung für mehr Übersicht und eine ausgewogenere Darstellung der Meinungen.

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